Auf einem Campground in Ajo entspannten wir noch im Whirlpool bevor wir die Strapazen auf uns nehmen wollten. Am besten ich verwende die Eintragungen aus meinem Tagebuch was sicherlich die ganze Geschichte am besten darstellt.

25. Nov., sonnig , ca. 19 °C
Ein weiteres mal genossen wir die Annehmlichkeiten eines RV-Parks bevor wir uns zum Fisch und Wildlife Office aufmachten. Whirlpool und Dusche sind schon eine feine Sache. Im Office angekommen begrüßte uns Margot mit der ich bereits am 21. Nov. telefoniert hatte. Sie erinnerte sich an mich und wir gingen hinaus auf den Parkplatz um zu klären ob unser MANi für die, El Camino del Diablo, tauglich ist. Sie zog ihren Vorgesetzten noch zu Rate und beide kamen zu dem Schluss das die knappen 200km kein Problem für unser Auto darstellen. Bevor wir das Permit bekamen mussten wir noch einen Fragebogen ausfüllen und dabei immer bestätigen, dass wir auf Rechtsansprüche jeglicher Art verzichten die z.B psychische und physische Schäden, die durch Laserstrahlen oder  irgendwelchen anderen radioaktiven Gegebenheiten ausgehen könnten, wir keine herumliegenden Granaten oder andere Munition anfassen oder mitnehmen dürfen, wir bei Beschädigung unseres Fahrzeuges selbst für die Bergungskosten aufkommen müssen, das wir Familienangehörige benachrichtigen sollen wann wir auf die Piste gehen und wann wir wieder in die Zivilisation eingetaucht sind, etc., etc. Als wir alles unterschrieben hatten bekamen wir unser Permit mit dem Hinweis die abgedruckte Telefonnummer anzurufen. Dies dient dazu das die Leute von der Goldwater Ranch (Luftwaffe) und die Grenzpolizei wissen das wir uns legal im Grenz- und Militärgebiet aufhalten. Mit einem komischen Gefühl ging es 2 Meilen, südlich nach Ajo, auf die Derby Well Road. Unser heutiges Tagespensum waren 40 Meilen bis zum Papago Well. Wir durchfuhren einen Teil des Orgenpipe Kaktus Parks und glaubten beim San Cristobal Wash das unsere Fahrt zu Ende sei. Büsche und Bäume waren so dicht und niedrig das wir mit unserem MANi ein richtiges Problem hatten. Eine Border Controll kam uns entgegen und bestätigte nocheinmal unsere Annahme. Bevor wir an diese brenzlige Stelle kamen zweigte links eine Sandpiste ab. Auf dieser sollten wir das Gestrüpp umfahren können. Die Grenzkontrolle fuhr vorne weg und wir mit Allrad hinterher. Um 14.30 Uhr erreichten wir Papago Well. Ein Camp auf dem wir uns niederließen und unsere erste Nacht in der Sonorawüste erlebten.

26. Nov., sonnig, ca 25°C
Unsere zweite Etappe starteten wir so gegen 10 Uhr bei leicht bewölktem Himmel der sich aber bald aufhellte. 32 Meilen bis zum Tule Well sollten in 3 Std. zu schaffen sein. Nach ein paar Meilen kamen wir an einer Auftankstation, mitten in der Wildnis, vorbei. Diese dient zum Betanken von Hubschraubern und Patrolienfahrzeugen (hauptsächlich Hummer). Ein Helikopter wurde gerade betankt und wir winkten freundlich hinüber. Kurz danach tat sich, für unseren MANi, das erste Hindernis auf. Ein Baum mit Stacheln hing in den Weg hinein und außen herum fahren wollten wir nicht, wegen der Vegetation. Als wir beratschlagten was wir machen sollten landete 200m entfernt der Hubschrauber von der Grenzpolizei. Zwei Männer stiegen aus kamen auf uns zu. Ich ging ihnen entgegen um in Erfahrung zu bringen ob die Officers was von uns wollten. Es stellte sich heraus sie waren an unserem Fahrzeug, aus privaten Gründen, interessiert. Nachdem ich ihnen soweit alles erklärt und gezeigt hatte fragte mich der Pilot ob er ein Foto machen darf. Natürlich, wenn mitten in der Sonorawüste ein Helikopter landet nur um unseren MANi zu bewundern, ist das keine Frage. Wir verabschiedeten uns und Bettina und ich standen immer noch mit unserem Problem da. Wir fuhren sehr langsam unter dem Baum her, die Äste schrabbten an unserer Kabine und ich litt mit unserem Womi. Es kam noch schlimmer. Die Bäume und Sträucher wurden mehr und wir wurden immer langsamer. Zwischenzeitlich holte ich eine Säge aus dem Staufach und wir schnitten ab was ging oder umfuhren die Bäume, wenn nicht allzu viel Kakteen herumstanden, und waren froh überhaupt vorwärts zu kommen in dieser Wüste. Unsere Hände und Arme waren zerkratzt und zerschunden. An unserem Womi sind sichtbar die Kampfspuren zu erkennen die er gegen die Stacheln und Äste davongetragen hat. Die Landschaft die wir dabei durchfuhren wechselte sich mit Sandebene, Lavafeldern und kahlen Bergflanken ab. Nach fast 7 Std., vier mehr als gedacht, erreichten wir, bei Sonnenuntergang, Tule Well. Ich war inzwischen ziemlich sauer auf Margot die eigentlich hätte wissen müssen das unser Fahrzeug zu hoch für diese Strecke ist. Die Geländetauglichkeit unseres MANis konnten wir aber ein weiteres Mal austesten. Wir leckten in Tule Well unsere Wunden und sind gespannt was der morgige Tag bringt.

27. Nov, sonnig, ca. 17°C
Es ging so weiter wie es gestern aufgehört hatte. Anhalten Sträucher und Bäume zuschneiden oder wenn möglich außen herum fahren. 100m fahren anhalten, wieder das gleiche. Meine Arme schauten aus als hätte ich mit einem Rudel Katzen gekämpft, blutig und zerkratzt. Langsam geht uns die ganze Sache auf die Nerven. Unser MANi zeigt was er drauf hat und lässt uns, Gott sei Dank, nicht im Stich. Er wühlt sich durch tiefen Sand, nimmt spitze Steine unter die Räder und verwindet sich wie ein Schlangenmensch. Die Schönheit dieser Wüste entgeht uns fast. Kaum zu glauben das in dieser Einöde überhaupt was wächst. Mit untersetztem Getriebe und Allrad kämpfen wir uns, auf dem Weg des Teufels, weiter gegen Westen vor. Nur etwa 1-2km liegt die mexikanische Grenze entfernt, für illegale Einwanderer dürfte diese Stelle nicht gerade die erste Wahl sein. Zu viele natürliche Hindernisse, zu viel Trockenheit und die ersehnte amerikanische Gesellschaft zu weit entfernt. In prähistorischer Zeit diente dieser Weg zur Beförderung von Muscheln und Salz, das vom Golf von Mexiko stammte. Dann kamen die Spanier und die Jesuiten, später, 1849 die Goldsucher, um hier ihr Glück zu finden. 1850 starben auf dieser Strecke annähernd 400 Menschen durch verdursten oder an Erschöpfung. Solch harte Qualen mußten wir nicht erleiden waren aber froh als wir das Militärgebiet von der Goldwater Ranch erreichten. Der Weg wurde breiter, bestand aber immer noch aus Sand. Zweimal aussteigen und einmal umfahren, waren in Anbetracht dessen was wir schon aus dem Weg geräumt ahnten, ein Kinderspiel. Gegen 15.30 Uhr lag sie hinter uns, etwa 200km El Camino del Diablo. Bettina hatte sich noch eine leichte Erkältung eingefangen und so fuhren wir ein paar Meilen ostwärts bis nach Wellton um dort auf einen RV-Park einzuchecken. Erst Whirlpool zur Entspannung und anschließend Behandlung meiner Wunden waren ein lohnender Abschluss unseren ersten Teiles USA..