_____________________________________________________________________ Yukon, British Columbia und Alberta

Alaska liegt nun hinter uns und der Yukon vor uns. Nach etwa 5 Wochen im nördlichsten Bundesstaat der USA, ohne die Enklave Skagway, Haines und Hyder, fahren wir mit reduzierter Erwartung Richtung Dawson City. Was kann uns der Yukon bzw. BC und Alberta noch bieten? So einiges wie wir in den kommenden Wochen noch erfahren sollten. >>

Auf dem "Top of the World Highway" erreichen wir bei perfekten Reisewetter das Ufer des Yukon. Wir warten fast 45 Minuten bis Leopold an die Reihe kommt um über zu setzen, an das Ufer von Dawson City.

Die ehemalige und wieder auferstandene Goldgräberstadt, an der sich Klondike und Yukon vereinigen, versprüht nach wie vor einen Charme von Verwegenheit, Abenteuer und Freiheit und das nicht nur weil Jack London hier lebte und den Stoff für seine Romane, in Whitehorse und Handerson's Creek, sammelte aus denen "Wolfsblut", "Der Ruf der Wildnis" und "An der weißen Grenze" hervorgingen. Nein auch die noch zum großen Teil originalen Häuser aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts und die ungeteerten Nebenstraßen tragen dazu bei. Kaum vorstellbar das in dieser Zeit bis zu 30.000 Menschen hier gelebt haben und Dawson City die größte Stadt Kanadas war. Eine 2 Meter breite Ladenfront kostete an Miete soviel in einem Monat wie ein vier Zimmer großes Appartement in New York City für ZWEI Jahre.

Das Geld lag regelrecht auf der Straße bzw. auf dem Boden der Saloons. Jede Nacht kam nach dem auskehren der mit Sägespäne ausgestreuten Fußböden Goldstaub im Wert von 50,-$ zu Tage.

Uns plagten andere Probleme. Der Abstecher nach Inuvik war kurz davor ins Wasser zu fallen. Die starken Regenfälle der letzten Tage hatten dazu geführt, dass an einigen Stellen die Piste des Dempster Hwy weggespült wurde und zu guter letzt war das Übersetzten mit der Fähre über den Peel River momentan eingestellt. Die Mitarbeiterin im Visitor Center des NWT (North West Territories) konnte uns keine verbindliche Auskunft geben. Nur ein Foto der beschädigten Straße hielt sie uns unter die Nase. Ulla, Karl und wir beide beschlossen einen weiteren Tag in Dawson City zu verbringen. Der nächste Tag eignete sich hervorragend um sich ein wenig näher mit dem Thema Goldschürfen zu beschäftigen. Eine restaurierte Gold Dredge (Schaufelbagger) mit der Nummer 4 steht am Bonanza Creek zur Besichtigung. Das Ungetüm, das Anfang des 20. Jahrhunderts eine halbe Million Dollar kostete und zur damaligen Zeit die größte mit einem Holzrumpf gebaute Gold Dredge war, förderte an guten Tagen bis zu 800 Feinunzen Gold. An 200 Tagen des Jahres, 24 Stunden am Tag musste das Ding laufen um den Investitionskosten gerecht zu werden. 1959 wurde das 8 Stockwerk hohe Monster ausgemustert. Heut zu Tage werden modernere und effektivere Geräte eingesetzt um das Gold aus den Bächen und dem Erdreich zu waschen.

Die Abraumhalden der durch gepflügten Flüsse sind, nach über 100 Jahren, noch all gegenwärtig und neue kommen hinzu.

Am nächsten Tag, dem 16. August, bogen wir links vom Klondike Valley ab, überquerten den Klondike River und befanden uns ab jetzt auf dem Dempster Hwy der 1959 zur Erschließung von Ölfeldern gebaut wurde und die einzige Straße Kanadas ist die den Polarkreis überschreitet. Die Ölfelder sind bereits erschöpft aber die gut 730 Kilometer lange Schotterpiste nach Inuvik existiert noch und wird bis spätestens 2018 zum Polarmeer, nach Tuktoyaktu, weiter ausgebaut werden.

Der erste Teil besser als manche geteerte Straße bevor sie zunehmend löchriger wurde wie ein Schweizer Käse. Die Landschaft im Kontrast spektakulärer und anmutiger. Eingerahmt von der North Klondike Range im Westen und der Snowy Range im Osten folgten wir dem North Fork River nach Norden bis zum Tombstone Interpretive Center. Wir hofften neue Informationen zum Zustand des Dempsters zu erfahren. Eigentlich hätten wir es besser wissen müssen. Es kann oder will niemand eine konkrete Aussage treffen. Das an der Straße gearbeitet wird und die Fähre über den Peel River vielleicht, eventuell, möglicherweise am Donnerstag ihren Betrieb wieder aufnimmt bekamen wir als Antwort auf unsere Fragen.

Die grandiose Schönheit die uns ab den 50 Kilometer begleitet lässt uns nur noch staunen und die uns eventuell bevorstehenden Unwegsamkeiten vergessen. Ab den North Folk Pass, mit seinen 1.400 Metern der höchste Punkt auf dem Dempster Hwy, erwartete uns eine Tundra ähnliche Landschaft die langsam die Farbe des Herbstes annahm und mit der arktischen Tundra durchaus vergleichbar ist. Wir befinden uns in den Ogilvie Mountains die ihren Namen einem Landvermesser verdanken. Die Landschaft bis zur Grenze in die North West Territories traumhaft und auf ihre Weise einzigartig. Von den stellenweise weggespülten Straßenabschnitten war nichts mehr zu sehen. Dafür waren die Gewässer zum Bersten voll und es entstanden welche wo es normaler weise keine gibt. Die Jungs vom Straßenbau sind auf Zack und haben in kürzester Zeit den Dempster wieder befahrbar gemacht. Inzwischen haben wir innerhalb von wenigen Wochen den Polarkreis das zweite mal überquert und kurz darauf die Grenze zu den NWT überschritten. Die Fähre über den Peel River hatte ihre Arbeit wieder aufgenommen und so stand unserer Weiterfahrt nichts mehr im Weg.

Am Mackenzie River das zweite Übersetzen mit der Fähre. Hier klinkten sich Ulla und Karl aus und wir setzten unsere Fahrt alleine nach Inuvik fort.

Im Grunde ist die Fahrt nach dem Peel River bzw. Fort McPherson sehr eintönig und monoton. Wenn mich nicht mein Ehrgeiz gepackt hätte um später einmal sagen zu können ich war in Inuvik dann sind die letzten 200 Kilometer für die Katz. Inuvik ist nur hässlich. Die Kirche erbaut im Stil eines Iglus und das Informationscenter sind so ziemlich die einzigen Highlights die es zu besichtigen gibt wobei die Kirche geschlossen war. Die erhoffte arktische Tundra wie wir sie auf dem Dalton kennen gelernt hatten suchten wir vergebens. Gesehen haben wir viele Betrunkene von den First Nations. Traurig und nicht der erste Ort wo uns diese Problematik so offensichtlich aufgefallen ist. Hier besteht definitiv dringender Handlungsbedarf.

Am 22. August, und 1.460 Kilometern später waren wir zurück auf dem Klondike Highway. Nach unserer subjektiven Meinung, im Vergleich zum Dalton, verliert der Dempster. Er verschießt sein Pulver auf den ersten 465 Kilometer aber das mit viel Getöse. Leider haben wir auf der gesamten Strecke nur einen Fuchs gesehen und einen Abdruck einer Grizzlypfote an der Grenze zu den NWT. Leopold sah mal wieder aus wie Sau. Das Calcium Chlorid Gemisch was auf der Schotterpiste verteilt wird soll die enorme Staubentwicklung unterbinden. Wir konnten davon nichts bemerken. Bemerkt haben wir das nach Regen die schmierige Pampe aushärtet als hätte unser Fahrzeug eine Tonschicht übergestülpt bekommen.

Mayo und Keno, am sogenannten Silvertrail, schoben wir kurzerhand ein da das Wetter sich gebessert hat und der Abstecher lächerliche 110 Kilometer beträgt, einfache Strecke. In Mayo, am Binet House Museum, erkundigten wir uns noch einmal nach dem Wetter. Für die nächsten drei Tage Sonnenschein. Am Five Mile Lake beendeten wir, gegen 15 Uhr, unseren heutigen Reisetag. Ich fand Zeit wieder einmal laufen zu gehen während sich Bettina gemütlich auf den Steg am See setzte wo ich anschließend meinen aufgeheizten Körper abkühlte. Am nächsten Tag war die Sonne verschwunden. Was für eine Wettervorhersage. Trotz der tief hängenden Wolken fuhren wir hoch zur ehemaligen Minenstadt Keno das in den heutigen Tagen nur noch 20 dauerhafte Einwohner zählt. Skurril schön ist das Wort das mir als erstes einfiel als wir Keno erreichten dabei war der Ort im letzten Jahrhundert die bedeutendste Förderstätte für Silber in Kanada. Zwischen 1945 und 1989 wurden 150 Mio. Unzen Silber, 490 Mio. Pfund Blei und 370 Mio. Pfund Zink aus der Elsa Mine gefördert. Das mit viel Liebe aufgebaute und eingerichtete Museum ist ein Muß das die Geschichte des Ortes wiedergibt der untrennbar mit dem Bergbau verknüpft ist. Inzwischen fing es an zu Regnen und die Wolken hingen so tief das es keinen Sinn machte auf den Keno Hill hinauf zu fahren um die Aussicht auf die umliegenden Berge zu genießen. Wir kehrten um und fuhren zurück nach Stewart Crossing das nur noch 11 Einwohner zählt. Dicht besiedelt sieht anders aus.

Whitehorse die Hauptstadt des Yukon, mit fast 30.000 Einwohnern, ist der einzige wirklich wichtige Knotenpunkt. Ölwechsel und einige andere Dinge standen an die erledigt werden mussten. Auch wenn unsere Reiseplanung nach Osten anders ausgesehen hat so waren wir fast gezwungen unsere Routenwahl ein wenig zu ändern. Unser Favorit wäre der Robert Campbell Hwy gewesen der bei Carmarcks abzweigt. Den Teil bis Ross River sind wir bereits 2005 gefahren. So fuhren wir über den Klondike Hwy nach Whitehorse, erledigten unsere Vorhaben, steuerten Leopold nach 3 Tagen Großstadt auf die 1, dem Alcan (Alaska Hwy), und verließen die Hauptdurchgangsstraße bei Johnsons Crossing.

Bettina und ich überlegten kurz ob es Sinn macht die South Canol zu fahren. Den Grund brauch ich nicht mehr zu erwähnen. Wir kommen uns langsam vor wie Linus von den Peanuts. Ständig eine Regenwolke im Schlepptau.

Die Unvernunft siegte. Ich konnte es kaum glauben das sich diese Straße in den letzten 11 Jahren so verändert hat. Lag es an den tief hängenden Wolken, den eingezuckerten Berggipfeln oder an dem abschnittsweise dicht bewachsenen Fahrbahnrand. Ich weiß es nicht. Es ist erstaunlich welche Vorstellung wir in uns herumtragen die mit der Wirklichkeit nicht mehr viel gemein hat. Fragmente der Erinnerung passen nur noch in Einzelstücken mit der Wirklichkeit zusammen. Aber diese Puzzle teile sind die Sahnestücke an die wir gerne zurück denken. In unserem konkreten Fall waren es die traumhaften Übernachtungsplätze und die Ruhe wie z.B. am Quiet Lake. Der Verkehr nahm dagegen um gut 300% zu. Waren es vor 11 Jahren noch etwa 4 Fahrzeuge auf den 226 Kilometern so begegneten wir dieses Mal schon 12 Autos. Wohl gemerkt auf einer Strecke München Stuttgart. In Deutschland wären wir schon froh zwischen zwei Autobahnausfahrten nur einem Dutzend Fahrzeuge zu begegnen. Nach 2 1/2 Tage erreichten wir den Robert Campbell Hwy dessen erstes Drittel wir für den Umweg nach Whitehorse ausließen. Eine top gepflegte 300 Kilometer lange Schotterpiste brachte uns zu einer Megabaustelle. Ohne Pilotcar (Begleitfahrzeug) durchfuhren wir die aufgeweichte, tiefe und matschige Oberfläche. Für Fahrzeuge ohne Allrad kein Durchkommen. 50 Kilometer später, in Watson Lake, bestätigte uns eine Mitarbeiterin des Visitor Centers das sie angehalten wurde Reisenden mitzuteilen das dieser Teil nur für Allradfahrzeuge geeignet ist. Was machen die Leute die nicht in das Besucherzentrum kommen und trotzdem auf den Robert Campbell Hwy fahren? Vermutlich dürfen sie nach 50 Kilometern wieder umdrehen.

Am Sign Post Forest ist kein vorbeikommen. Der Schilderwald umfasst inzwischen gut 90.000 Schilder aus aller Welt. Nummernschilder, Ortsschilder, selbst gemachte Schilder wurden und werden an bereit gestellten Holzpfählen von Besuchern angeschraubt oder genagelt.

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