_____________________________________________________________________ Vancouver, Vancouver Island:  Großstadtflair, Wale, Bäre und Strände

Nach 10 Minuten war das obligatorische Abspulen der üblichen Fragen der Grenzmitarbeiterin erledigt und wir dachten schon, wow das ging aber schnell dieses Mal. Wir hatten uns geirrt denn auf Anweisung mussten ich 100 Meter weiter fahren, unseren Leopold abstellen, wir uns in eine Abfertigungshalle begeben und rum sitzen bis wir aufgerufen wurden. Ein paar weitere Fragen, dann begann das Warten erneut. Nach einer Stunde bekamen wir unsere Reisepässe zurück. Seit neuesten wird, zusätzlich zum Stempel, ein offizielles A4 Papier mit Angaben zur Person und dem Aufenthaltsdatum eingeheftet und die Software die den Ausdruck ermöglicht macht noch etwas Probleme was wiederum die längere Wartezeit erklärt. Auf die Frage bzw. die Bitte uns zwei Wochen zusätzlich zu den üblichen 6 Monaten zu gewähren wurde nicht eingegangen. Hätte so schön gepasst mit unserem Rückverschiffungstermin. >>

Seit 2. Mai sind wir jetzt wieder in Kanada unterwegs und unser erstes Ziel war Vancouver. Wir hatten viele Berichte im Fernsehen gesehen, einiges gehört und so manches gelesen aber die Millionenstadt besucht hatten wir bis jetzt noch nicht. Wir ließen uns für einige Tage auf dem einzigen zentrumsnahen Campingplatz, in der Nähe der Lion Gate Bridge, nieder. Capilano River RV Park, ein idealer Ausgangspunkt um mit den Bikes die sympathische Stadt zu besuchen.

Über die Lions Gate Brücke erreichten wir den Stanley Park, fuhren gegen dem Uhrzeigersinn, nur so ist es für Radfahrer erlaubt, an der Seawall entlang, kreuzten den Lost Lagoon Lake und erreichten das Vancouver Convention Center.

Auf der gegenüber liegenden Straßenseite kauften wir bei BC-Ferries, für den kommenden Donnerstag, unser Ticket für Galiano Island bzw. Victoria auf Vancouver Island.

Die Bibliothek sollte eine von vielen Attraktion, laut Reiseführer, in der Stadt sein. 1995 öffnete sie ihre Pforten und soll ein markantes Symbol mit ihrer modernen Architektur darstellen. Unbestritten dürfte diese öffentliche Einrichtung die größte sein die wir bis jetzt gesehen haben aber architektonisch stellt der Bau kein Highlight dar. Da hat Vancouver mehr zu bieten. Die verschiedenen Totem Poles im Stanley Park trafen dagegen schon eher unseren Geschmack.

Am nächste Tag nutzten wir ein weiteres Mal unsere Mountainbikes, erkundeten weitere Sehenswürdigkeiten und waren ein wenig enttäuscht über Chinatown das aus unserer Sicht im Vergleich zu SF in Größe und Attraktivität nicht mithalten kann. Auch wenn der Dr. Sun Yat-Sen Classical Chinese Garde einem Original in nichts nachstehen soll.

Überrascht waren wir dagegen das die Stadt mehrere Sandstrände für Erholungsuchende bereit hält. 2nd Beach, English Bay Beach und Sunset Beach liegen auf der Süd-Westseite von Vancouver zur English Bay hin ausgerichtet.

Wir umrundeten Downtown mit seinen Stadtteilen West End, Yaletown, Chinatown, Gastown und Robson.

Bevor es zurück, über die Lions Gate Bridge und dem Burrard Inlet, nach North Vancouver ging sahen wir den vielen Wasserflugzeugen am Coal Harbour beim Starten und Landen zu was für uns nicht alltäglich ist.

Da ich gerne einmal in meinem Leben im Stanley Park, bzw. in Vancouver laufen wollte schnürte ich, nach dem wir von unserer Stadttour zurück gekommen waren, meine Laufschuhe um über die Lions Gate Bridge in den Park zu gelangen, der mit seiner 10 Kilometer langen Laufstrecke, viele Freizeitsportler anzieht. Inklusive Zuweg kam ich auf gut 15 Kilometer und der Hot Pool vom Campingplatz bot uns eine willkommene Entspannung nach der anstrengenden Tour.

Für den dritten und letzten Tag, es war leichter Regen vorher gesagt, benutzten wir den Bus. Die Haltestelle befindet sich etwa 10 bis 15 Gehminuten von unserem Stellplatz entfernt. Wir hätten gerne zwei Tickets gelöst, hatten aber keine Münzen was wiederum den Busfahrer veranlasste uns ohne Fahrschein mit zu nehmen da er auf einen Geldschein nicht rausgeben konnte. Wir schauten in einige Gebäude und Läden, besuchten ein weiteres Mal den Rhododendron Garten um nach 6 Stunden unseren Vancouver-Besuch ab zu schließen. Auch der nächste Busfahrer der Linie 257 konnte ebenfalls nicht auf unseren 5,-$ Schein rausgeben was uns abermals eine kostenlose Rückfahrt ermöglichte. Im Grunde muss man abgezählte Münzen bereit halten. Im nach hinein hätten wir auch für diesen Tag die Fahrräder benutzen können da sich im Laufe des Tages die Sonne gegen die Wolkendecke durchsetzen konnte. Vancouver ist eine klasse Weltstadt in der es sich, neben SF zu Leben lohnt, so zu mindest erlebten und lernten wir die Millionenstadt am Pazifik kennen die im übrigen ihren Namen einem britischen Schiffskapitän zu verdanken hat.

Zwei mal pro Tag legt eine Fähre von Tsawwassen Richtung Galiano Island ab. Wir haben uns für die Überfahrt am Abend entschieden so mussten wir uns nicht durch den morgendlichen Berufsverkehr quälen. Gegen Mittag verließen wir den Capilano River RV Park und hatte genügend Zeit um an das andere Ende von Vancouver zu gelangen.

Nach einer Stunde Fahrzeit legten wir auf Galiano Island an und wurden bereits erwartet. Wir verbrachten wunderbare 5 Tage auf der kleinen Insel mit Pat und Brian die wir letztes Jahr am Theodore Roosevelt Stausee (Arizona) kennen gelernt hatten. Das Highlight war sicherlich die Walsafari bei der wir Buckelwale, Robben und Weißkopf-Seeadler vor die Kamera bekamen. Die Tage vergingen schnell und wir empfanden ein wenig Abschiedsschmerz als wir weiter zur Swartz Bay auf Vancouver Island übersetzten. Die Tour durch die Gulf Islands ist mit Bestimmtheit die schönere Strecke gegenüber der Fahrt von der Horse Shoe Bay nach Nanaimo das ebenfalls auf Vancouver Island liegt.

Unser erstes Ziel View Royal, ein Stadtteil von Victoria. Tom hat uns in Hoodriver angesprochen und uns zu sich eingeladen falls wir in diese Gegend kommen. Er, seine Schwester Donna und sein Schwager Bart wohnen direkt am Galloping Goose Trail der ein Teil des unglaublich ausgebauten Fahrradnetzes von Victoria ist. Tom war bestrebt uns alles zu zeigen was sich seiner Meinung nach lohnt anzuschauen. Ich weiß nicht wie viele Kilometer wir mit dem Fahrrad ab gespult haben aber es waren einige und so manches Mal war uns das Tempo das Tom vorlegte zu hoch. An manchen Plätzen wären wir gerne etwas länger geblieben und auf die Bitte das doch etwas weniger vielleicht mehr sein könnte drosselte Tom die Geschwindigkeit unserer Sightseeingtour. Wir kamen an Orte die kaum jemand anderes betreten darf wie z.B. seinen ehemaligen Arbeitsplatz bei der Hafenfeuerwehr die sich auf dem Navy-Militärgelände befindet. Den Fuhrpark durften wir fotografieren der Rest war Top Secret.

Auch diese fünf Tage vergingen wie im Flug aber wir waren erst am Anfang unserer Reise durch Vancouver Island. Über Lake Cowichan erreichten wir den gleichnamigen See der laut Reiseführer das größte Süßwasservorkommen auf der Insel hat. Über eine Logging Road, einer ungeteerte Straßen die von der Holzindustrie angelegt worden ist um die abgeholzten Bäume abtransportieren zu können, ging es weiter zum Nitinat Lake. Hier im Middle of nowhere soll sich laut Tom einer der besten Windsurf- und Kitespots befinden. Eine Infrastruktur gibt es hier nicht und das Ufer reine wilde Natur. Eigentlich ist der Lake auch kein See. Es handelt sich eher um einen Fjord der durch den Pazifik mit seinem salzhaltigen Wasser gespeist wird. Wenn der Himmel im Landesinneren blau erstrahlt hat es ab 10 Uhr, bis in den Abend hinein, konstanten Thermikwind. Das teilte uns auch Bruno mit der seine französische Heimat gegen Kanada eingetauscht hat und mit seinem Yorkshire Terrier, Petit Pupu, seit zwei Wochen im Wald steht. Am darauf folgenden Tag waren wir die einzige die den Nitinat Lake rippten. Bettina sah uns vom Ufer aus zu und hatte bedenken wegen eventueller vorbeiziehender Schwarzbären bzw. einem Lux den Bruno vor zwei Tagen gesehen hatte. Der wiederum hatte gefallen an Petit Pupu gefunden aber Bruno war rechtzeitig zur Stelle bevor etwas schlimmes passieren konnte. Seit dem darf der kleine Yorkshire nicht mehr alleine draußen herumlaufen.

Über China Creek erreichten wir Port Alberni und somit wieder eine geteerte Straße und die Zivilisation. Wir überlegten uns gut ob es Sinn macht an diesem Wochenende nach Tofino bzw. Ucluelet zu fahren denn am Montag ist Victoriaday und somit steht für viele Kanadier ein langes Wochenende vor der Tür.

Wir dachten uns was ist schon ein langes Wochenende gegen Spring Brake. Nach 105 kurvenreichen Kilometern erreichten wir auf der 4 die Kreuzung zum Pacific Rim Highway. Rechts bis Tofino 36 Kilometer und links bis nach Ucluelet 8 Kilometer. Beide Orte bilden das Ende des Highways. Nach dem Visitor Center an der Kreuzung war unser nächster Halt der Green Point Campground im Pacific Rim National Park. Wir hatten Glück und ergatterten einen der letzten Plätze. Ab morgen ist alles voll bis Montag. Den besten Zugang zum Long Beach, der in der Tat seinen Namen alle Ehre macht, hat man, sofern man mit einem Wohnmobil unterwegs ist, vom Campground aus. Die anderen wenigen Parkplätze sind meist für Camper gesperrt. Mit Schooner Beach, Combers Beach und Florencia Beach, wo es einen jungen toten Wal angespült hat, vermutlich ein Buckelwal, haben wir uns den größten Teil der atemberaubenden Küste erwandert. Tovino dürfte für Wellenreiter der bekannteste Ort in Kanada sein. Das ehemalige Aussteiger- und Hippienest hat seinen damaligen Charakter komplett verloren. Inzwischen sind beide Orte auf Tourismus ausgerichtete wobei uns Ucluelet ein wenig besser gefallen hat und mit dem Wild Pacific Trail einen landschaftlich schönen Rundwanderweg unterhält. Nach drei Tagen, so denken wir, haben wir das interessanteste gesehen. Nicht weit von Ucluelet geht rechts eine Schotterpiste zum Maggie Lake ab wo wir die Nacht verbringen wollten. Gleich am Anfang überraschte uns eine Bärenmutter mit ihren beiden Jungen. Trotz laufenden Motors blieb die Schwarzbärin cool und graste weiter was Bettina nutzte um ausreichend viele Fotos zu schießen.

Am nächsten Vormittag fuhren wir, auf der 4, zurück nach Port Alberni und Parksville um anschließend auf der 19 nach Nordwesten zu gelangen. In Telegraph Cove soll die Wahrscheinlichkeit groß sein bei einer Whalewatching Tour Orcas zu sichten. Der kleine, in den 20ern und 30ern des letzten Jahrhunderts, auf Stelzen errichtete Ort liegt etwa 60 Kilometer vor Port Hardy dem letzten größeren Ort an der Queen Charlotte Strait. Danach nur noch Schotterpiste und Natur. Kurz nach 13 Uhr erreichten wir den Laden von Stubbs Island und bekamen von Heike Wieske, die aus Berlin stammt und nach Kanada 2001 ausgewandert ist, mitgeteilt das das Boot gerade in diesem Moment ablegt. Bei einem weiteren Gespräch stellte sie klar das die beste Zeit, Orcas zu sehen, erst ab Mitte Juli sei. Besser wäre für diese Jahreszeit Campbell River. So hatte es auch etwas gutes, dass wir das Boot verpasst haben. Am nächsten Tag, den ganzen Weg auf der 19, wieder zurück Richtung Südosten.

Für morgen, den kommenden Mittwoch, reservierten wir noch von Telegraph Cove aus zwei Tickets. Um 11 Uhr legte das Aluminiumboot, mit weiteren 17 Passagieren, am Hafen von Campbell River ab. Vier Stunden dauerte der Ausflug und eine Gruppe von vier Killerwalen war die Ausbeute der Tour. Bettina und ich hatten uns etwas mehr erhofft waren aber dennoch froh Orcas gesehen zu haben da wir diese intelligenten Säugetieren bis jetzt noch nie zuvor zu Gesicht bekamen.

Der Aufenthalt auf Vancouver Island ging dem Ende zu. Bis Nanaimo, dem Abfahrtshafen zur Horse Shoe Bay war es nicht mehr weit und so verliesen wir nach 3 Wochen diese facettenreiche Insel die alleine für einen ausgedehnten Urlaub von mehreren Monaten genügend Überraschungen bereit halten würde.

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