_____________________________________________________________________ Texas: The Lone Star State

Warum nennen eigentlich die Texaner ihren Staat einsamer Stern und verdeutlichen das auch auf ihrem Nummernschild. Im Internet fand ich folgende Erklärung.

Die Flagge von Texas wurde etwa sechs Jahre vor dem Beitritt zur Union im Jahre 1845 eingeführt. Der Bundesstaat verwendet die Farben der Stars and Stripes, aber nur einen Stern − daher die Bezeichnung The Lone Star State (Der Staat mit dem einen Stern). Die Farben der Flagge haben folgende Bedeutung: Blau steht für Loyalität, weiß für Reinheit und Rot für Tapferkeit.>>

Über den Sabine River passierten wir die Staatsgrenze nach Texas und eine Industrielandschaft begrüßte uns. Hässlicher kann man kaum empfangen werden. Da wir eine Verabredung, mit Petra und Stephan, in Jamaica Beach hatten ließen wir den Umschlagplatz für Öl und Gas schnell hinter uns. Gavelstone, das ebenfalls am Golf von Mexiko liegt und schon fast zum Einzugsgebiet von Houston gehört, zeigte uns eine ähnlich langweilige, auf Tourismus ausgelegte Fassade, wie bereits die Retortenstädte am Golf zuvor. Jamaica Beach, das nur wenige Kilometer weiter westlich errichtet wurde, präsentiert sich gemütlicher und gelassener. Kaum Hotels dafür viele Häuser auf Stelzen die auf Sommergäste warten.

Unser eigentlicher Plan mit den beiden in das NASA-Spacecenter nach Houston zu fahren verwarfen wir kurzer Hand. Inzwischen haben wir eine gewisse Abneigung für Großstädte entwickelt daher unsere Planänderung. Brazos Bend SP ist für uns die letzte Möglichkeit Alligatoren in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten und so hatte der SP die Nase gegenüber dem Spacecenter vorne. Bei furchtbarem Wetter, das mit heftigem Regen einher ging, verließen wir endgültig die Golfküste und ließen das unüberschaubare Angebot an Freizeitaktivitäten hinter uns. Es tat gut auf Straßen zu fahren auf denen kilometerlang kein Auto zu sehen war. Das schlechte Wetter hatte sich am darauf folgenden Tag verzogen, was blieb war die Kälte und der eisige Wind. Im Brazos Bend SP sahen wir unsere erhofften Alligatoren. Verschiedene Vogelarten und Schildkröten rundeten den Tag ab. Der Abstecher hatte sich gelohnt.

Austin, die Hauptstadt Texas und das Zentrum der Outlaw Country,- und Folkmusik mit dem alljährlich stattfindende SXSW-Festival, Amerikas größtes Musik- und Filmfestival, zeugt von der ungebremsten Popularität als Künstlerstadt und stand als nächstes auf unserem Programm. Als erstes liefen wir den stadtnahen McKinney Falls SP an in der naiven Annahme am nächsten Tag mit Leopold in die Innenstadt fahren zu können bzw. einen öffentlichen Bus zu nehmen. Kurz gesagt, uns wurde dringend davon abgeraten. Zu eng, zu viel Verkehr und keine Möglichkeit zu parken und öffentliche Verkehrsmittel gibt es bis zum SP nicht. Gelehrig wie wir sind hörten wir auf die Ratschläge. Also ließen wir Austin bedauernswerter weise links liegen und sind über die Country Hills nach Ferdericksburg gefahren um Silvester mit Petra und Stephan zu feiern. Später erfuhren wir von den beiden das es überhaupt kein Problem war in Austin einen Parkplatz zu finden.

Bevor wir Fredericksburg erreichten machten wir einen Abstecher zur ehemaligen Ranch von Präsident Johnson. Ein herrliches Anwesen, das uns einen kleinen Einblick in das Privatleben erlaubte und seit dem Tod von seiner Frau Lady Bird unter NP Verwaltung steht. Nach wie vor wird die Ranch bewirtschaftet. Präsident Johnson ist der einzige Präsident der bis dato am gleichen Ort verstoben ist wo er auch geboren wurde.

Am Ortseingang von Fredericksburg, gegründet von deutschen Einwanderern, strahlte uns ein Schild entgegen mit den deutschen Worten, "Willkommen in Fredericksburg". Die Einwohner sind stolz auf ihre Vergangenheit. Schwarz, Rot, goldene Fahnen wehen vor den Geschäften, einzelne deutsche Wörter werden eingebunden oder ein Lokal wird schon einmal zum Lindenbaum genannt aber die deutsche Sprache beherrscht so gut wie niemand mehr. Wir hatten uns den Ort ausgesucht um gemeinsam mit Petra und Stephan in das neue Jahr zu rutschen und ein richtiges amerikanisches Feuerwerk zu sehen. Wir hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. In Fredericksburg dürfen keine Feuerwerkskörper abgeschossen werden. Das soll mal einer verstehen. Auf der Fahrt hatten wir immer wieder improvisierte Verkaufsstände gesehen die Böller im großen Stil anboten. Buy 1 get 11 free. Nun gut man kann auch ohne viel Getöse, leise in das neue Reisejahr 2016 gleiten.

San Antonio, etwas südlicher wird für die nächsten Wochen definitiv unsere letzte Großstadt sein. Hier fanden wir das was wir in Austin schmerzlich vermisst hatten. Einen Campingplatz von dem aus ein öffentlicher Bus in 25 Minuten in das Zentrum fährt. Wir genossen die Tage in der mexikanisch angehauchten Stadt, besuchten El Alamo wo eine Handvoll Texaner 1836 gegen Mexikaner kämpften und schlenderten am berühmten River Walk entlang der noch zum Teil dem originalem Flussbett des San Antonio Rivers folgt. Nach zwei Tagen verließen wir die siebt größte Stadt der USA um weiter in den Westen vor zu dringen.

Die Landschaft wurde kahler, einsamer und trockener. Eine Einöde die aus Büschen und Hügeln besteht begleitete uns bis wir Del Rio an der mexikanischen Grenze erreichten und hier trafen wir beim Tanken Danny.

Kathy und Danny besitzen eine Ranch mit 8 Pferden und diese liegt etwa 50 Meilen nordwärts. Danny meinte spontan, wenn wir Lust haben könnten wir sie gerne besuchen. Und wie wir Lust hatten. Besonders Bettina freute sich auf die Pferde. Seit 1880 gehört das Land zur Kathys Familie und das alte Farmhaus aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts steht auch noch auf dem Grundstück das einige Acres einschließt. So etwa 5 Meilen in die eine Richtung und einige in die andere. Auf alle Fälle riesig. Die Herzlichkeit und Wärme die wir hier erfahren und erlebt haben waren für uns etwas besonderes. Nach einem Tag gehörten wir schon zur Familie. Wenn wir irgend etwas bräuchten sollten wir es sagen. Wir könnten so lange bleiben wie wir wollten, wir können ihre Adresse benutzen wenn wir eine Anschrift benötigen und wir können unseren Leopold bei Ihnen unterstellen wenn wir zurück nach Deutschland müssen.

Leute, habt ihr solche Angebote schon einmal anderen unterbreitet die ihr gerade einen Tag kennt. Wir nicht. So schön und kurz die Zeit auf der McKenna Ranch war uns zog es weiter zum Big Bend NP.

Wer einmal in die Ecke von Del Rio kommt ist herzlich willkommen bei den beiden. Sie betreiben einen Primitiv Campground, vermieten einfache Kabinen und die Möglichkeit zum Reiten, Wandern und Jagen ist ebenfalls gegeben. Man sollte allerdings vorher anrufen.

 

McKenna Ranch, nördlich von Del Rio, Texas

www.mckennaranch.com

camptheranch@gmail.com

Phone: 830-395-2288

 

Über dem Amistad Stausee, dem der Rio Grande zum Opfer gefallen ist machten wir Halt am Seminole Canyon SP.

Zwei Tage verbrachten wir in dieser Einsamkeit, unternahmen zwei Wanderungen, eine davon war geführt da es nicht erlaubt ist alleine in den Canyon zu gehen und die andere brachte uns zum aufgestauten Grenzfluss, dem Rio Grande.

Über vertrocknetes hügeliges Buschland ging es weiter nach Südwesten bis wir den Big Bend NP erreichten. Schon von weitem waren die Gipfel der Cisos Mountains zu erkennen. Begeisterung machte sich bei uns breit. Big Bend der Nahe an der mexikanischen Grenze liegt wird zum großen Teil vom Rio Grande eingerahmt der heute, wie auch in der Vergangenheit, die Grenzlinie zu Mexiko darstellt. Für ein Backcountry Permit mußten wir in das Visitorcenter an der Panther Junction. Hier trafen wir Petra und Stephan wieder mit denen wir die nächsten Tage im Park verbringen werden. Das fahrerische Highlight war definitiv die Old Ore Road für dessen 43 Kilometer wir etwa 8 Stunden benötigten. Der gefahrene Durchschnitt lag bei unter 10 km/h. Mit Fotostopps und Ausbesserung der Straße kamen wir auf unter 7 km/h. Wenn ich gelaufen wäre hätte ich die Old Ore Road schneller hinter mich gebracht. Wir waren nicht nur in den Big Bend gekommen um festzustellen wie weit wir unser Nervenkostüm auf den Off Road Pisten strapazieren können, wir wollten auch wandern gehen und das haben wir ausgiebig gemacht. Balanced Rock, Pine Canyon Trial, The Window, Santa Elena Canyon, Lost Mine Trial, der übrigens aus unserer Sicht der schönste war, Tuff Canyon und der Burro Mesa Pouroff waren unsere ausgewählten Ziele. Zur Entspannung legten wir uns in den Hot Spring am Rio Grande. Wir hätten nie erwarten einen so facettenreichen National Park vorzufinden der uns mit seinen verschiedenen Gesichtern mehr als begeistert hat und für uns zu den schönsten National Parks in den USA zählt.

Über Terlingua Ghost Town erreichten wir den Big Bend Ranch SP aber davor besuchten wir den echt schrägen ehemaligen Minenort Terlingua der heute größtenteils von Lebenskünstlern, Musikern und Künstlern bewohnt wird. Hier trafen wir Robert von dem wir jetzt wissen was einen echten Amerikaner ausmacht. Das sind nur zwei Dinge. Nummer eins ist ein Pickup Truck und Nummer zwei eine Knarre. Zur Demonstration holte er aus seinem Chevy Truck ein Gewehr heraus, das eher einer MP ähnelte. Er wollte gerne das ich das Ding in meine Hände nehme damit er ein Foto von mir machen kann. Ich lehnte höflich aber energisch ab. Er meinte damit wäre noch nie ein Mensch erschoßen worden sondern nur Tiere. Bekommen würde ich so ein Ding im Hardware Store nach vorlage meines Führerscheines und außerdem kämen mehr Menschen durch einen Unfall mit einem Hammer (großer Geländewagen) ums Leben als mit einer Waffe. Wenn er meint.

Übrigens war der Friedhof im Ort auch etwas speziell. Bei manchen Gräbern waren keine Kerzen oder Plastikblumen abgelegt, nein hier wußte man sofort an was die Jungs krepiert sind. Auf einem stand eine Wodkaflasche und auf dem anderen waren nur leere Bierflaschen verteilt. Wahre "Helden" wie man es von harten Jungs erwartet die in so einem rauen Land lebten. Nach 2 Tagen und einer Wanderung in den Closed Canyon waren wir auch schon durch den Big Bend Ranch SP hindurch.

Über Marfa, wo James Dean seinen letzten Film gedreht hat, erreichten wir Fort Davis das uns zu den Sternen bringen sollte. Das McDonald Observatorium, das im übrigen nichts mit der Fastfood-Kette zu tun hat, sollte eine gute Gelegenheit bieten. Am Montag ließen wir uns die zwei größten Teleskope zeigen und erklären die es in der Station gibt und hörten uns einen 45 minütigen Vortrag über die Sonne an. Das war wirklich harter wissenschaftlicher Stoff den wir mit unserem Englisch nicht mehr ganz folgen konnten. Für Dienstag war eine Sternenparty angesetzt aber nach wochenlangem Sonnenschein sollte es ausgerechnet an diesem Tag schneien und der Wetterbericht hatte recht behalten. Die nächste Sternenbeobachtung würde erst wieder am Freitag stattfinden.

Wir ließen die Davis Mountains hinter uns, wo übrigens die höchste geteerte Straße von Texas verläuft und tauchten in eine trostlose Ebene ein. In Balmorhea sorgte eine Quelle für Abwechslung. Das warme glasklare Wasser wird in ein naturbelassenes Becken geleitet in dem ich, zwei Tage nach dem Schneefall, einige Bahnen zog. Den Pool teilte ich mir mit Enten und Fischen. Bettina hatte in diesem gleichnamigen SP ein besonderes Erlebnis gehabt als ich beim Duschen war. Keine 10 Meter von ihr schlich ein Puma vorbei den sie erst gar nicht bemerkt hatte da sie in ihr Buch vertieft war. Leider hatte sie keine Kamera zur Hand war aber danach ziemlich aufgeregt und durch den Wind.

Wir erreichten Pecos in einer weiterhin trostlosen langweiligen Landschaft. Kniehohe Büsche die vom Staub eingehüllt waren, Privatland das eingezäunt ist und an dessen Stacheldraht Plastiktüten im Wind flattern, Schrott der herrenlos in der Gegend herumliegt und von Erdölpumpen besetzte Grundstücke, gleiteten an uns vorbei bevor wir dieses verstaubte Nest erreichten.

Eigentlich wollte ich zu Pecos nichts mehr schreiben da es nichts zu schreiben gibt aber was ich am Freitag Morgen am Parkplatz von Walmart gesehen habe ließ mich lange nicht mehr los. Ein gelber Kleinwagen parkte neben unseren Leopold. Auf dem Fahrersitz eine Frau mit weißem T-Shirt und einer Hose von Adidas. Auf dem Beifahrersitz ein Typ mit Baseballkappe und einer Dose Cores in der Hand. Beide um die 30. Die Frau hantierte mit einer Spritze herum. Mein erster Gedanke, sie benötigt Insulin aber als ich den abgebundenen linken Arm und den Löffel sah und sie sich die Spritze zwischen ihre Finger an der linken Hand setzte war auch mir Einfaltspinsel klar das die Frau nicht zuckerkrank ist. Ich konnte es nicht glauben was die beiden gerade neben uns abgezogen haben.

Die Guadalupe Mountains brachten uns wieder zurück in die Wildnis, mich auf andere Gedanken und bedeuten für uns auch die letzte Station in dem weitem Land Texas das im übrigen fast doppelt so groß ist wie Deutschland.

Am Samstag wollten wir gerne auf den höchsten Berg von Texas (2.667 m) aber Wind aus Westen blies so heftig das wir das Vorhaben auf Sonntag verschoben. Als warm up unternahmen wir eine kurze Wanderung zum Devil's Hall. Nach gemütlichen 4 Stunden und knapp 7 Kilometern waren wir zurück auf dem Campingplatz und um weitere tolle Eindrücke reicher. Unser Plan ging nicht auf. In der Nacht rüttelte und zerrte der Sturm weiterhin so heftig an Leopold das wir kaum ein Auge zu machten. Windgeschwindigkeit bis zu 110 km/h bliesen über die Guadalupe Mountains. Bedauerlicherweise cancelten wir das Vorhaben Guadalupe Peak aber aus unserer Sicht die bessere Entscheidung.

Der Februar steht vor der Tür und für uns ein neuer Bundesstaat, eine neue Zeitzone, eine uns unbekannte Unterwelt und vielleicht können wir das Geheimnis lüften was am 04.07.1947 in Roswell tatsächlich vorgefallen ist.

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