_____________________________________________________________________ Merry Christmas bei 28 Grad

Die Wärme und die Schwüle der Südstaaten hatten wir erreicht. Nach den OBX, wie die Locals ihre Outer Banks nennen, ließen wir uns von Charleston und Savannah in die koloniale Vergangenheit entführen die nicht immer rühmlich war. Hervorgegangen aus dieser Zeit sind dagegen traumhafte Herrschaftshäuser im viktorianischem Baustil, die mit ihren tropischen Innengärten unsere Sinne belebten und im vorherrschendem Herbst den Frühling zu uns brachten. Mit Savannah erreichten wir einen neuen Bundesstaat, Georgia. Wir genossen die Gastfreundschaft von Inge, die bereits seit 35 Jahren in Savannah lebt und waren sehr dankbar für die Zeit die sie sich für uns nahm um uns ihre Stadt näher zu bringen. >>

Für einen kleinen Abstecher in den Okefenokee Swamp, das im übrigen eines der größten zusammenhängenden Sumpfgebiete im Osten Nordamerikas ist, verließen wir die Küste. Vor 9 Jahren verbrachten wir das erste Mal einige Tage hier. Verändert hat sich nichts. Bettina stolperte fast über einen Alligator als sie aus dem Fahrerhaus stieg. Er befand sich keine 2 Meter entfernt an einer kleinen Böschung und döste in der Sonne vor sich hin. Etwas irritiert gewann Bettina schnell Abstand zu dem Prachtburschen. Floridas Küste lockte und St. Augustine soll sehenswert sein. Kurz erwähnt sei das bereits 1513 Ponce de Leon seinen Fuß auf diesen schönen Flecken Erde setzte, erst 1565 die Besiedelung durch Pedro Menendez de Aviles begann, seit dieser Zeit diese Stadt immer Einwohner hatte und somit die älteste durchgehend bewohnte Stadt der USA ist. Die Altstadt ist sehenswert aber fast schon zu kitschig und erinnert ein wenig an Disney World, war aber eine gute Einstimmung auf das kommende.

Vor neun Jahren unternahmen wir den ersten Versuch um Disney World in Orlando zu besuchen mit dem Ergebnis, dass kein einziger Platz auf dem Campground mehr frei war. Also ließen wir das ganze bleiben.

Jetzt, eben neun Jahre später, standen noch Plätze in der Premium-klasse zur Verfügung. Hörte sich gut an aber als wir den Preis, wir wollten nur 2 Tage bleiben, mitgeteilt bekamen schnappten wir nach Luft wie ein Fisch der auf dem trockenem liegt. 211,- $, ohne Eintritt, war uns dann entschieden zu viel. Der verständnisvolle Doug zeigte uns auf der Straßenkarte zwei Alternativen. Eine davon nutzten wir und kamen im Tropical Palms Camground unter der um die Hälfte günstiger war und über einen Shuttelbus verfügt der uns am nächsten Tag zum Themenpark, Magic Kingdom, bringen sollte.

Der Shuttleservice kam viel zu spät, Magic Kingdom schloß an diesem Tag schon um 19 Uhr, anstatt um 22 Uhr, eine Weihnachtsfeier war für den Abend vorgesehen und ein Feuerwerk gab es auch nicht dafür durften wir den vollen Preis von 105,-$ pro Person bezahlen. Unsere Laune wurde dadurch nicht besser.

Letzt endlich hatten wir unseren Spaß aber für mich war es vermutlich das letzte mal das mich Disney gesehen hat. Eigentlich hatten wir noch andere Pläne in Florida. In Cape Canaveral das Kennedy Space Center besuchen, in Maimi abhängen, ich liebte die TV-Serie Miami Vice, auf den Keys relaxen und die Weihnachtszeit einfach im Sunshine State verbringen. Nach dem was wir bis jetzt gesehen und erlebt hatten waren wir der Meinung das es nicht besser werden wird denn die Kurz- und Langzeiturlauber waren noch nicht alle eingetroffen. Aus unserer Sicht bedeutet das voller, lauter und teurer. Darauf hatten wir beide keine Lust.

Die Alternative lautete, go West. Ab zum Golf von Mexiko.

Im Manatee Springs SP ist die Wahrscheinlichkeit hoch Seekühe im klaren Quellwasser zu beobachten. Gesehen hatten wir Gürteltiere, Rehe, ein Opossum, Geier, Wasserschildkröten und auch Seekühe. Bettina hatte das Glück eine Mutter mit ihrem Kalb vorbei schwimmen zu sehen.

Gesehen hatte ich nicht die verdammten Sandflöhe die mir am Abend am Lagerfeuer die Füße zerbissen hatten. Gejuckt hatte es Tage, am liebsten hätte ich mir zeitweise die Haut von Fleisch gekratzt und schwül war es noch dazu. Gefühlte 100% Luftfeuchtigkeit. Die Haut klebte vom Schweiß, alles war klamm. Das Wohlfühlklima sank ein wenig.

Über Perry erreichten wir Tellahassee, die Hauptstadt Floridas. Am nächsten Morgen, bei Nebel kamen wir erneut an den Golf von Mexiko. Dieser Teil Floridas, der sich bis Alabama zieht, wird liebevoll Pfannenstiel, Panhandle genannt. In Eastpoint setzte ich den Blinker, bog links auf eine etwa 5 Kilometer lange Brücke die uns schließlich auf das St. Georges Island brachte. Auf dem gleichnamigen SP, der am östlichem Ende der Insel liegt, verbrachten wir ein paar herrliche Tage mit Muschelsuchen auf dem feinsandigem weißem Strand, bekamen Delfine zu sehen, holten unsere Bikes aus dem Stauraum und erkundenden die restlichen 8 Kilometer die nur zu Fuß oder eben mit dem Fahrrad erreicht werden können. Im nach hinein hätten wir noch ein paar Tage dran hängen sollen. Es war ruhig, abgeschieden und schön. Alles Attribute die für sich sprechen und einen längeren Aufenthalt rechtfertigen aber uns zog es weiter.

Hochhäuser, Hotels, Shoppingmalls und alles was der Urlauber sonst so braucht wurden mit jedem gefahrenem Kilometer, Richtung Westen imposanter bis schließlich keine Baulücke mehr vorhanden war. Hier, in Destin hat sich der Henderson Beach SP behaupten können. Wie eine Enklave, eine Insel im Häusermeer, eingeklemmt zwischen Hotels, liegt er am feinsandigem weißem Strand der umspült wird von türkisfarbenem Wasser deren Klarheit durch keinen Fluss beeinträchtigt wird. Für zwei Tage ruhte Leopolds Motor, der im übrigem seinen Job ohne Probleme erledigt, bevor wir Florida hinter uns ließen und in Alabama einfuhren.

Wir versuchten es ein weiteres Mal Florida in unser Herz zu schließen aber dieser Bundesstaat macht es uns nicht leicht. Vielleicht sind wir bis jetzt falsch an die Sache herangegangen, haben die falschen Orte besucht, die falsche Jahreszeit gewählt oder haben einfach eine falsche Vorstellung in uns aufgebaut.

Florida ist für viele die Erfüllung, ein Winterziel, ein Ort an dem sie ihren Lebensabend verbringen wollen aber wir haben bis jetzt keinen rechten Zugang gefunden. Ob wir ihn jemals finden werden, wir wissen es nicht und wir wissen auch nicht ob wir ein drittes Mal den Sunshine State besuchen werden.

Bei Regen erreichten wir auf der Interstate 10 New Orleans. Über das Internet suchten wir schon vorher einen geeigneten Campingplatz für uns heraus und mit Google maps konnten wir gleich noch die Lage beurteilen.

Im März 2006, 8 Monate nach Katerina, durchfuhren wir die Ecke, und ließen, obwohl uns im Visitorcenter mitgeteilt wurde es wäre wieder möglich das French Quarter zu besuchen, New Orleans aus. Uns reichte schon was wir damals vom Highway aus zu sehen bekamen. Zerstörung und Leid.

Jetzt war die Zeit für uns gekommen dieser außergewöhnliche Stadt einen Besuch abzustatten.

Unsere Sinne fuhren Achterbahn. Nicht nur unser visueller Sinn wurde im French Quarter gefordert, nein auch unser audiovisueller Sinn musste volle Arbeit leisten. Verschiedenartige Musik, vornehmlich Jazz und Blues, verschiedene wohlriechende Essensgerüche aus den Restaurants und die bunte Mischung der Menschen und Bauwerke mit den schmiedeeisernen Balkonen ließ unsere Sinne tanzen.

Für viele ist das Leben nicht so beschwingt wie es den Anschein hat. Wir sahen einige die vermutlich froh sind wenn sie den Tag vorüber gebracht haben aber von Traurigkeit keine Spur zeigen und wenn wir keinen Dollar locker gemacht haben wurden wir trotzdem mit einem Merry Christmas bedacht.

Es herrscht eine besondere Atmosphäre und es ist verdammt schwer sich dieser zu entziehen. Wir ließen uns ein und für mich war es schon fast wie eine Droge die ich gerne am nächsten Tag ein weiteres Mal inhaliert hätte. Leider spielte das Wetter nicht mit und mit Wehmut denke ich an diese unglaubliche Stadt.

Unsere Reise geht weiter. Alabama, Mississippi und Louisiana, bis auf den Abstecher nach New Orleans, dienten uns dieses Mal nur als Transitstrecke um nach Texas zu gelangen, dem zweit größten Bundesstaat der USA. Wir erreichten Ende Dezember den mittleren Westen der Vereinigten Staaten wo Rinderzucht, Gas, Öl und Waffen groß geschrieben wird.

Übrigens seit 01.Januar 2016 ist in Texas das Tragen von Handfeuerwaffen in Holstern, das seit 1871 verboten war, öffentlich wieder erlaubt.

 

Welcome back, Wild Wild West.

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