_____________________________________________________________________ Quebéc, New Brunswick und Ontario

Unser erstes kleines Abenteuer lag nun hinter uns und ab Baie Cameau sind wir wieder eingetaucht in die Zivilisation. Hier am St. Lawrence trafen wir ein weiteres Mal Ruth und Fredy sowie Petra und Stephan die mit ihrem Felix, einem Unimog, unterwegs sind und der Trans Labrador Highway noch vor ihnen liegt. >>

Der weitere Weg brachte uns Richtung Sagunay River aber bevor wir den Fluss erreichten musste ich Kitesurfen gehen denn ich war inzwischen seit einigen Monaten nicht mehr auf dem Wasser und war ausgehungert. In diesem Land werden wir ausreichend mit Informationsunterlagen versorgt und in einem dieser regionalen Reiseführer viel mir ein Bild von einem Kitesurfer auf. Zu diesem Platz musste ich und das sollte noch weitere Auswirkungen haben. In Point a Boisvert wurden wir fündig nur das Problem war das die einzige Möglichkeit zu parken auf einem Privatgelände lag, einem Club gehörte und an diesem Wochenende eine Veranstaltung stattfinden sollte bei der viele Mitglieder anreisen wollten. Ich fragte nach ob es denn irgend eine Möglichkeit gibt für ein paar Tage hier stehen zu bleiben. Eine Sprachbarriere verhinderte unsere erste Kontaktaufnahme, denn ein Großteil der Bevölkerung in der Provinz Québec spricht nur französisch aber wir sprechen weder das frankokanadische französisch bzw. das europäische französische also wurde von den Anwesenden ein englisch sprechendes Mitglieder geholt. Kurz gesagt wir wurden Mitglieder im Club AIR-LIB und dürfen ab jetzt ein ganzes Jahr diesen Platz und einen weiteren in La Baie kostenlos nutzen. In den 5 Tagen lernten wir viele nette Menschen kennen von denen wir später einige wieder treffen sollten. Mein Heißhunger wurde leider nicht so richtig gestillt. Der Wind konnte sich nicht wirklich durchsetzen und das Wasser des St. Lawrence ist bitter kalt.

Kurz vor Tadusac drehten wir rechts ab und folgten dem Sagunay River der an einigen Stellen einem Fjord gleicht. Eine herrliche Landschaft in der wir an einem Übernachtungsplatz dem Singen einer Gruppe Belugawalen zuhören durften. Wir kamen einigen Einladungen nach von Leuten die wir in Point a Boisvert kennen gelernt hatten wie z.B. Ben mit seiner Lebensgefährtin Ginette und den beiden Kindern. Ben ist ein alter Hase im Kitebusiness denn er baut seit 2 Jahrzehnten Kiteschirme. Erst als Wintersportgerät und später für die Wassersportler. Ich denke er kennt so ziemlich jeden der beruflich mit dem Sport zu tun hat. Am nächsten Tag ging es für uns quasi an das gegenüber liegende Ufer nach La Baie. Hier besuchten wir Sophie und Gilles bei denen wir 3 Nächte hängen geblieben sind. Leider wieder kein Wind wo wir doch unmittelbar am Wasser standen. Gilles wollte mir gerne sein Kiterevier zeigen aber wenn kein Wind weht dann hilft alles nichts.

Inzwischen machte unsere Hebekippvorrichtung, die dazu dient das Fahrerhaus zu Liften um an den Motor zu kommen, keine Anstalt mehr seine Arbeit zu verrichten. Das ist jetzt mal richtiger Mist. In einer LKW-Werkstatt baute ein Mechaniker und ich das Teil aus und zerlegten es. Ohne Erfolgt. Ich telefonierte mit der Fa. Maurer und erfuhr das eine neue Pumpe 500,- Euro kostet plus 250,- Euro Versandkosten, plus Einfuhrsteuer. Alternative lautet eBay und gute Freunde die uns das Paket zu Reise-bekannten nach Montreal schicken. Danke Peter, danke Claudi.

Wir überlegten uns von welchem Ort wir die Fähre auf die Gaspesie nehmen sollen und dabei gewann Baie Cameau. Die Fährverbindung nach Matane ist für unser Fahrzeug, hier an der Côte Nord, am günstigsten. Also wieder zurück nach Norden. Am 01. September setzten wir über auf die Gaspesie die ebenfalls zur Provinz Québec gehört.

Im Uhrzeigersinn folgten wir der Straße die größtenteils an einer traumhaften Küste verläuft. Wir durchfuhren pittoreske Fischerdörfer die eingebettet von Bergflanken in strumgeschützten Buchten liegen. Die großen Zeiten des Fischfanges sind vorüber und die Alternative lautet Tourismus der sich, wie in den meisten Teilen Kanadas, auf max. 4 bis 5 Monate beläuft.

Im Forillon NP legten wir eine Pause ein genossen das traumhafte Spätsommerwetter und wanderten an der Küste entlang mit dem Ergebnis unsere ersten lebendigen Stacheltiere gesehen zu haben. Wale und Seehunde bereicherten den Tag zusätzlich. Das einzige negative war als wir feststellten das wir unser Kunststoffrohr, mit dem Teppich aus Marokko, auf der Strecke verloren haben. Die beiden Rohrhalterungen aus Stahl, die am Motorradträger befestigt waren, sind einfach abvibriert bzw. weggebrochen. Ich konnte es kaum glauben denn das Rohr brachte kaum Gewicht auf die Waage.

Im Ort Gaspé traf Kevin auf uns und lud uns spontan zu sich ein. Er hätte genügend Platz, eine spitzen Aussicht auf die Bay und wir können so lange bleiben wie wir mögen. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Zwei Nächte nahmen wir seine Gastfreundschaft in Anspruch, gingen zusammen Radfahren und ich, da ich noch nicht genug hatte, zusätzlich Laufen. Zu unserer Überraschung sahen wir, bei unsere Radtour zum Sandy Beach, auf einem Trockendock das Regattaboot Helgoland die in der schwärzesten Zeit Deutschlands für einen größenwahnsinnigen Österreicher Siege einsegelte. Es steht übrigens schon seit Jahren zum Verkauf.

In Percé erreichten wir einen malerisch gelegenen, touristisch erschlossenen Ort der mit einem fotogenen allein stehenden Felsen mit Durchbruch, nahe der Küste, punktet.

In Carleton-Sur-Mer kam ich ein weiteres Mal zum Kitesurfen. In der schlammigen Lagune war stellenweise gerade einmal eine handbreit Wasser unter den Finnen da gerade Ebbe war aber es machte unheimlich Spaß.

Wir tauchten in eine neue Provinz ein, New Brunswick, befanden uns immer noch an der Küste und folgten dieser weiter bis auf Höhe von Prince Edward Island.

In den letzten Tagen hatte ich mir eine Erkältung eingefangen die mit Halsschmerzen begann und noch ausbaufähig war.

Arcadian Island war ein weiteres Highlight. Bettina war erst skeptisch. Nach den Ortschaften Shippagan und Point-Canot verflogen ihre Zweifel. Die Inselgruppe, die alle durch Brücken verbunden sind, zeigten sich von ihrer besten Seite und als noch genügend Wind blies war auch ich vollends glücklich. Einen geeigneten Platz zu finden, um auf das Wasser zu gehen, war mit Hilfe unserer App nicht schwierig. Meine Erkältung sagte zwar etwas anderes aber ich dachte mir scheiß drauf. Das scheiß drauf holte mich unmittelbar am nächsten Tag ein und wie sollte es anders sein Bettina einige Tage später. Kein Wunder wenn man auf so engen Raum zusammenlebt.

Im NP Kouchibouguac wollte ich meine Erkältung etwas auskurieren aber der Park lockte mit einem Biketrail und das konnten wir uns nicht entgehen lassen. Wir durchfuhren einen Wald der bis heute in seiner Ursprünglichkeit nichts verloren hat. Ein Radweg der, tlw. auf einen Holzsteg und nur in eine Richtung befahren werden darf, durch die unberührte Natur verläuft ist das einzige Zugeständnis. Der Höhepunkt war ein Greifvogel der nur knapp über meinen Kopf hinweg flog. Wir hofften zwar noch auf einen Schwarzbären zu treffen, die Kacke lag gut sichtbar in der Gegend herum, aber Ursus americanus hatte keine Lust auf Touristen.

Langsam ging es jetzt auch Bettina schlechter. Auch bei ihr fing es mit Halsschmerzen an.

Wie ein Häufchen Elend saßen wir beide am nächsten Morgen am Frühstückstisch. Trotz alle dem setzten wir unsere Reise fort und besuchten das von der Fa. Irving 1997 eingerichtete Schutzgebiet "La Dune de Bouctouche" in dessen gleichnamigen Ort Herr Irving sein Tankstellenimperium gegründet hat. Inzwischen ist das Geschäftsfeld weit gefächert.

Die Hopewell Rocks setzten den nächsten Höhepunkt. Vor 10 Jahren sahen wir uns das erste Mal die Flowerbots, bei ergiebigen Dauerregen, an. Nicht so 2015.

Im Fundy NP wollten wir verschnaufen denn das schöne Wetter sollte anhalten. Bettina ging es immer schlechter und so beschlossen wir einen Arzt aufzusuchen was dazu führte das sie Antibiotika verschrieben bekam.

Nach Natur stand jetzt Stadtbesichtigung auf dem Plan. St. John, Saint Andrews und Fredericton machten den Anfang. Am Mactaquac Staudamm, unweit von Fredericton, lernten wir Bruce kennen der uns mit frischem Gemüse aus seinem Garten versorgte. Kurz darauf stellte sich uns John vor der meinte wenn es uns hier zu laut wäre dann könnte wir uns gerne auf sein Grundstück zurückziehen. Es wäre groß genug. Wir nahmen die Einladung ebenfalls an denn ich wollte die Reifen auf den Felgen an der Vorderachse drehen da die Außenseiten etwas mehr abgefahren waren. Bettina ging mir, soweit möglich, hilfreich zur Hand aber beim Hochheben des zweiten Komplettrades das in etwa 150kg wiegt, habe ich mir so dermaßen den Rücken verrissen das ich Wochen später noch etwas davon hatte.

Über Grand Falls und Edmundston erreichten wir, am Ostufer entlang fahrend, die Stadt Québec wo wir uns abermals mit Sophie, Gilles und deren beiden studierenden Kindern trafen. Zusammen verbrachten wir ein unvergessliches Wochenende.

Weiter ging es am St. Lawrence über Trois Riviérs auf die gegenüberliegende Seite, Stadtbesichtigung inklusive. Die Herbstfarben haben inzwischen Einzug gehalten und mit dieser Farbenpracht kann nur der Indian Summer glänzen.

Wir näherten uns Montreal. Bei Martine und Harry, die wir in Happy Valley - Goose Bay kennen gelernt haben, fanden wir eine weitere Anlaufstelle und unser Paket mit der Fahrerhauskipp-Pumpe. Montreal ist eine interessante Stadt, gespickt mit ethnischen Gruppen und reich an Kultur und da gerade nur noch eine Woche bis zu den Wahlen war besuchten wir ein Benefizkonzert das die jungen wahlmüden Kanadier animieren soll ihre Stimme abzugeben. Etwa 12 Bands spielten auf.

Die Tage vergingen viel zu schnell aber die Hauptstadt wollte noch besucht werden und Ottawa gefiel uns verdammt gut. Vor ein paar Tagen bekamen wir einen sehr hilfreichen Tipp wo wir zentrumsnah mit Leopold parken können und diese Information war goldwert denn wir waren in etwa 30 Gehminuten am Parlament. Mit den Städten hatten wir fürs erste einmal genug.

Auf dem Weg in den Algonquin NP schauten wir noch in Almonte bei Stacey und Joe vorbei. Die beiden Leben in ihrem MB 917 den sie aus Italien importiert haben und darüber, was sie dabei erlebt haben, ein Buch schreiben könnten.

In der Zeit des kalten Krieges war die Hysterie so groß, das sich der damalige Premierminister Diefenbaker einen Bunker, ebenfalls in Almonte, bauen ließ der einen atomaren Angriff der USSR überstehen sollte. Auch für die Geldreserven Kanadas war ein geeigneter Tresorraum vorhanden.

Dieser Mammutbau kann gegen eine Abgabe von 16,-$ besichtigt werden und ist es definitiv wert.

Im NP unternahmen wir diverse Wanderungen und waren froh wieder in der Natur zu sein. Bevor wir Kanada verlassen verschlug es uns an die Georgian Bay und an die Küste der 30.000 Inseln. Eine traumhafte Ecke in der wir bis zur Bruce Peninsula vordrangen. Ab hier geht es nur noch mit der Fähre weiter, deren Betrieb seit Mitte Oktober eingestellt ist. Uns war es egal denn wir mussten zurück Richtung Toronto denn unsere 6 Monate neigten sich dem Ende zu. Auf Toronto hatten wir keine Lust, vor 10 Jahren verbrachten wir eine ganze Woche in der Megacity. Uns reichte es schon als wir in den Dunstkreis der Millionenstadt eintauchten. Die letzten Tage verbrachten wir zwischen Lake Ontario und Lake Erie die, um den Ort Niagara Falls, gerade etwa 40 Kilometer auseinander liegen.

Am 04. November, nach fast 6 Monaten, verließen wir, bei herrlichstem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen, Kanada das uns immer wieder mit seinen Naturschönheiten überrascht und mit seinen freundlichen Menschen in seinen Bann gezogen hat. In sechs Monaten, wenn nichts dazwischen kommt, werden wir ein weiteres Rondevouz mit dem zweit größten Land dieser Erde haben.

gefahrene Strecke in Kanada

1 Kommentare