_____________________________________________________________________ Einsamkeit in Labrador

Im August, zur schönsten Jahreszeit, erreichten wir bei frostigen 10 Grad Celsius und dichtem Nebel Blanc-Sablon. Vor 1 1/2 Std. verließen wir mit der Apollo, einer in Deutschland gebauten Fähre, St. Barbe auf Neufundland. Die Anlegestelle liegt noch in der Provinz Quebec aber nur ein paar Kilometer entfernt von Labrador. Da es schon am späten Nachmittag war und wir kaum etwas sehen konnten fuhren wir ein Stück gegen Westen um einen geeigneten Übernachtungsplatz an der Küste zu finden was in dieser kaum besiedelten Gegend nicht schwer fällt. Irgendwann in der Nacht musste ich das Fenster schließen da es penetrant nach alten Fisch stank. >>

Der nächste Tag zeigte sich ebenso nebelverhangen. Im Laufe des Vormittags bahnte sich die Sonne ihren Weg durch den grauen Schleier. Ursprünglich wollten wir auf der 511 bis zum westlichen Ende nach Vieux-Fort fahren. Danach geht es nur noch mit dem Schiff oder Flugzeug zu den wenigen verstreuten Fischerorten am St. Lawrence Strom weiter. Wir verwarfen unseren ursprünglichen Plan und wollten zur Red-Bay wo das erste und längste ungeteerte Teilstück des Labrador Highways beginnt. Dazwischen lohnt es sich durchaus den einen oder anderen Zwischenstopp einzulegen wie z.B. am Point Amour. Mit 36 Metern zählt der im Jahre 1857 erbaute Leuchtturm zu den höchsten an der Ostküste Nordamerikas. Die Gewässer in dieser Gegend sind heimtückisch und gefährlich. Nebel, Eisberge, starke Strömung und heftige Stürme wurden manchem Schiff zum Verhängnis. Die an der Küste liegenden Stahlteile zeugen von vergangenen Katastrophen. Die zwei bekanntesten waren wohl die HMS Raleigh und die HMS Lily. 

Aus heutiger Sicht möchte man sagen Red-Bay erlangte seinen zweifelhaften Ruhm im 16. Jahrhundert als die Portugiesen die Bay als weltweit größten Walfanghafen nutzten und dabei 2. Mio. Liter Walfischtran pro Saison für Europa produzierten. Fälschlicherweise dachten wir der Ort hat seinen Namen aus der blutrot getränkten Bucht erhalten. In der National Historic Site wurden wir aufgeklärt. Der Name resultiert aus den roten Dachziegeln die die Portugiesen für ihre Häuser benutzten.

Nach 689 Stufen erreicht man die Aussichtsplattform vom Tracey Hill Trail und kann, wenn kein Nebel vom St. Lawrence Strom herein drückt, eine fantastische Aussicht auf die Red Bay, das Umland und wenn man Glück hat auf Eisberge und Wale in sich aufnehmen. 

Am nächsten Tag war es dann soweit etwa 1.700 Kilometer, ohne Abstecher, ist die Straße durch Labrador und Quebec lang. Entspricht in etwa der Distanz Livorno - München - Flensburg. Von Livorno bis München nur als Schotterstraße befahrbar, Alternativen keine außer einen 90 Kilometer langen Abstecher nach Cartwright. 2009 wurde die Verbindung zwischen Blanc-Sablon und Baie Cameau fertig gestellt. Im Grunde existiert diese Verbindung nur da Eisenerzabbau und Stromgewinnung im großen Stil betrieben wird. Die Industriegesellschaften machen es möglich. 

Wie sollte es anders seien begannen wir eines der letzten Abenteuer an der nordamerikanischen Ostküste bei Regen. Für vorsichtigere Naturen besteht die Möglichkeit sich in Red Bay ein Satellitentelefon auszuleihen. Wir schenkten unser ganzes Vertrauen Leopold, unserem MAN. Die ersten Kilometer waren von einem Graider frisch abgezogen. Fängt doch gut an und vielleicht bleibt es so, dachten wir. Wunschdenken, nach 15 Minuten war Schluss und die Realität hatte uns eingeholt. Aus 70 km/h wurden jetzt durchschnittlich 35km/h. 

Wer jetzt denk man hat als Fahrer genügend Zeit die Natur auf sich wirken zu lassen irrt. Schlaglöcher, Verwerfungen und eine vorausschauende Fahrweise, es könnte vielleicht ein Elch oder ein Bär auf die Fahrbahn laufen, fordern die volle Konzentration. Die Landschaft besteht hauptsächlich aus Wald, Flüssen, Seen und Tümpeln. Ideale Brutstätten für Moskitos und Black Flies. Natur pur und das Wort Verkehr gerät ganz weit nach hinten im Wortschatz. Er existiert einfach nicht. Anfangs passierten wir noch kleine Orte die in erster Linie als Basis zum Fischen und Jagen dienen.

Ich wollte unbedingt einen Abstecher nach Cartwright machen. Gründe dafür gibt es einige. Auf keiner öffentlichen Straße an der Ostküste gelangt man mit dem Fahrzeug weiter nördlicher. Die Wikinger tummelten sich schon hier um 1.000 n. Chr. und in dem gottverlassenem Fischerort, das mit dem Eagle River eines der weltbesten Lachsangelreviere vor der Haustüre hat, gründete schon 1775 Captain George Cartwright einen Außenhandelsposten. 

Nach dem es kaum aufgehört hatte zu regnen sah unser Fahrzeug aus als hätte es eine Schlammpackung aufgelegt. Ausgerechnet jetzt musste sich eine Schelle am Auspuff lockern. Bei der Kirche fanden wir einen einigermaßen geeigneten Stellplatz für die Nacht. Mit einer Matte legte ich mich in den Dreck und befestigte das Auspuffrohr. Asphalt ist im Umkreis von hunderten von Kilometer ein Fremdwort. Am nächsten Morgen wären wir gerne mit einem Boot zu dem sagen umwobenen 56 Kilometer langen Porcupine Strand gefahren aber das Wetter hatte kein Einsehen mit uns.

90 Kilometer zurück bis wir wieder auf die 510 trafen wie der TLH auch genannt wird. Die angrenzende Vegetation wurde lichter und hügeliger und Bettina hatte Gelegenheit besser nach Tieren Ausschau zu halten. Die Oberfläche der Gravelroad wurde stellenweise besser und verleitete zum schneller fahren. Kurz darauf und unverhofft katapultiert es die luftgefederten Sitze nach oben um anschließend wieder in den Tiefen des Fahrerhauses einzusinken. Die Straße ändert ständig ihren Charakter. Etwa 150 Kilometer vor Happy Valley- Goose Bay wurde das Aufkommen von Servicefahrzeugen größer. Kurz darauf sahen wir den Grund. Parallel zum Labrador Highway wird eine Stromtrasse geschlagen die einer 6 spurigen Autobahn alle Ehre machen würde. Ab Ende 2017 soll vom Lower Churcill Falls, Strom nach Neufundland geliefert werden. Etwa 60 Kilometer vor dem größten Versorgungszentrum in dieser Ecke und dem ehemaligen NATO-Luftwaffen Stützpunkt erreichte die Kilometeranzeige unseres MAN's die 100.000. Wir würden sagen standesgemäß und für so ein Fahrzeug der beste Platz den man sich denken kann. Am Ende der Schotterstraße geht es entweder nach rechts zur Stadt Happy Valley-Goose Bay und ein paar anderen kleineren Orten, die Straßen auf dieser Seite enden übrigens immer im Nirgendwo, oder links weiter auf dem Highway Richtung Churchill Falls. In der Kleinstadt die erste Ampel und Straßenverkehr. Wir kamen uns vor als hätten wir einen Sprung in eine andere Welt gemacht. 

Auf unserer Reise hörten wir das erste Mal von den Tornget Mountain NP der sich am äußersten Norden von Labrador befindet und nur per Flugzeug und Boot erreichbar ist. Wir erkundigten uns was ein 7 Tage Trip kostet. Wir wurden schnell auf den Boden der Realität zurück geholt. 4.300,- $ pro Person. Das würde unser Budget sprengen. Schade dabei wäre die Wahrscheinlichkeit Eisbären zu sehen groß gewesen. Zwischen Happy Valley- Goose Bay und North West River fanden wir am Goslink Lake einen tollen Übernachtungsplatz. Am Abend gab es Hamburger die ich an unserer Außenküche grillte. Leider waren die Black Flies so biestig, dass wir im Fahrzeug aßen. Kurz nach dem ich mich hingesetzt hatte bemerkte ich das an meiner linken Oberlippe etwas hängte. Mit der Unterlippe fischte ich den Gegenstand in meinen Mund und dachte es handelt sich um einen kleinen Popel. Ehrlich Leute von euch hat doch sicher schon jeder einmal, gewollt oder ungewollt, so ein Produkt der Nase im Mund gehabt also kennt ihr auch den Geschmack. Auf jeden Fall handelte es sich hierbei definitiv nicht um einen Popel, schmeckte aber so denn 5 Minuten später schwoll meine Oberlippe in einem Maße an das ich jede Botox gespritzte Lippe blass aussehen ließ. Am nächsten Tag ging die Schwellung ein wenig zurück und so konnte ich unverkrampft mit Bettina nach North West River fahren. Bevor wir losfuhren rannte eine Bärenmutter mit drei Jungen über den Platz. Nach Nova Scotia erst unsere zweite Bärensichtung. Bettina konnte gar nicht so schnell fotografieren wie die vier unterwegs waren und so kamen nur unscharfe Bilder heraus. In North West River erschien uns der alte Handelsposten der Hudson Bay Company sehenswert der erst in den 70ern des letzten Jahrhunderts seine Türen Schloss. Und in der Tat fanden wir ein Sammelsurium an unterschiedlichsten Dingen, angefangen von verschiedenen Fallen, so genannten Tellereisen, Fellen, alten Gebrauchsgegenständen und was sonst noch so in der Wildnis benötigt wird.

Wir und unser Leopold wurden regelrecht verwöhnt denn ab Happy Valley-Goose Bay gelangten wir auf einer erstklassig geteerten Straße, die ab hier mit der 500 bezeichnet wird, bis nach Fermont in der Provinz Québec. Etwa 40 Kilometer nach dem glücklichem Tal mit der Gänsebucht hätten wir gerne die Muskrat Falls angeschaut aber durch die immensen Bauaktivitäten bei den Lower Churchill Falls, war die Zufahrt gesperrt. 

Ebenso ist es zur Zeit nicht möglich das Wasserkraftwerk in Churchill Falls zu besichtigen. Angeblich wäre der Tourguide in Rente gegangen und einen Ersatz gibt es nicht. Von den ehemaligen Wasserfall in Churchill Falls ist nur noch ein Rinnsal übrig geblieben. 

Nach gut einer Woche erreichten wir Labrador City und den Nachbarort Wabush. Der erste Eindruck, nicht schön. Die Stadt Labrador wird geprägt durch Tagebau und der Gewinnung von Eisenerz. Wir lernten Jerry kennen der am Smoky Mountain, dem Hausberg von Labrador City, ein Chalet betreibt und nebenbei unter anderem seit Jahrzehnten nordische Skirennen organisiert. Meist liegt schon Ende Oktober hier oben, auf knapp 600 Meter ü.N., Schnee was viele internationale Skisportorganisationen zur Vorbereitung nutzen. So nebenbei erzählte er uns, dass es im Winter schon einmal -53 Grad Celsius haben kann. Wir durften uns, am Dumbell Lake, auf den hauseigenen kleinen Sandstrand stellen und sogen, wie schon so oft auf dieser Reise, die Stille und Friedfertigkeit der Natur auf. 

Kaum zurück auf der 500 läuft uns ein weiterer Schwarzbär über den Weg. Unser Problem warum wir zu keinen guten Fotos kommen ist das Abrollgeräusch von unseren Michelin Reifen und dem lauten Motorgeräusch. Wir können uns auf keine 100 Meter nähern. Der Kopf wird gehoben, unser Fahrzeug kurz fixiert und schon verschwindet Bär oder Elch im Gebüsch neben der Straße. 

Wir verlassen die Provinz Labrador die in etwa so groß ist wie Italien und deren Fläche aus etwa 25% Seen, Flüssen und Bächen besteht und nur von einer Straße durchzogen wird, dem Trans Labrador Highway der ab der Provinz Québec als Route 389 bezeichnet wird.  

Bei Regen, wie sollte es anders sein, erreichten wir Fermont das gerade einmal 35 Kilometer von Labrador City entfernt liegt und bereits zu Québec gehört. Fermont ist eine Retortenstadt und dient seit 1974 ausschließlich als Versorgungszentrum und Wohndomizil für die Angestellten und Arbeiter die ihren Lebensunterhalt in der Mont-Wright-Mine verdienen. Eine Minenbesichtigung ist zwei Mal in der Woche möglich. Wir waren am richtigen Tag im Ort und wollten uns eine Tour auf keinen Fall entgehen lassen. Um 13.15 Uhr sollen wir uns im Visitorcenter einfinden den um 13.30 Uhr werden die Besucher mit einem Bus abgeholt. Kurz nach eins trafen wir ein hatten eine kleine Unterhaltung mit der kaum englisch sprechenden Mitarbeiterin, die schon einmal Beach und Bitch durcheinander brachte, zusammen konnten wir herzlich darüber lachen und warteten auf die anderen Mitfahrer. Es wurde 13.30 Uhr und nichts passierte. Wir fragten nach um zu erfahren, dass wir beim Überwechseln von Labrador nach Quebec eine Stunden geschenkt bekommen haben. Ich denke wir waren nicht die ersten denen die Zeitverschiebung entgangen ist. Nach etwa 45 Minuten tauchten wir wieder im Besucherzentrum auf und jetzt waren auch 9 weitere Interessierte zur Stelle.

Zu unserem Bedauern wurde die Besuchertour nur auf französisch abgehalten aber der Gesamteindruck der Mine spricht schon für sich. Eine Montrealerin sprach ein wenig Englisch und so erfuhren wir dann doch noch einige wichtige Daten und Fakten. Als erstes wurden wir eingekleidet wie Bob der Baumeister. Warnweste, Schutzbrille, Helm und Handschuhe. Danach wurde uns eine fast ausgebeutete Halde gezeigt und erklärt, dass die dunklen Stellen das begehrte Eisenerz sind. Weiter ging es zu den Instandhaltungshallen, immer vorne weg ein Pilotcar. Es ist kaum vorstellbar wie monströs diese Ladekipper sind. Kostenpunkt etwa 7 Mio. Dollar und ein Reifen etwa 35.000 Dollar. Unsere 395/85 R20 sehen im Vergleich dazu aus wie Räder von einem Kinderwagen. Hier ist alles Größe XXXXL. Zum Schluss wurde der eigentliche Verarbeitungsprozess aufgezeigt. Das abgetragene Gestein wird von den Megakippern in einen Crusher befördert, dort zerkleinert, per Förderband in eine riesige Trommel transportiert, aussortiert mit Wasser vermengt und der übrig gebliebene Rest, das Eisenerz, auf den Privatgleisen nach Port-Cartier transportiert um Pellets herzustellen die dann an die Stahlindustrie weiter verkauft werden, mit wenigen Worten ausgedrückt. Es muss nach wie vor ein lohnendes Geschäft sein denn die Gelder die ArcelorMittal hier einsetzt sind für uns kaum vorstellbar.

Nach der Tour beschlossen wir heute nicht mehr weiter zu fahren und suchten uns außerhalb von Fermont, an einem See, eine Schlafstelle. Etwas später erreichte eine Kanadierin, mit einem roten Chevy und ihren Schlittenhunden im Gepäck, anstatt der Ladefläche war eine Aluminiumbox montiert, ebenfalls den Platz. Nach einem Gespräch erfuhren wir, dass sich Bären auf ihrem Gelände herumtreiben, ein Bär bereits am Zwinger war, das nicht gut für die Hunde sei, letzte Woche 5 mal Wölfe in Labrador City gesichtet wurden und  sie uns, ich konnte es kaum glauben, vor 10 Jahren in Whitehorse mit einem ähnlichem Fahrzeug gesehen hat. Der Ort, der Monat und das Jahr stimmten. 

Kurz nach Fermont, bei der Mine, beginnt der zweite ungeteerte Teil des  Labrador Highways. Das Wetter hatte sich etwas gebessert und eine der zahlreichen Brücken, die vor ein paar Tagen für Fahrzeuge über 10 Tonnen nicht passierbar war war in der Zwischenzeit wieder befahrbar. Alternativen, keine. Reparaturzeit aussitzen. So einfach ist das hier. 

Die Gravelroad hatte uns wieder und die Landschaft war zwar immer noch mit Wäldern, Seen und Flüssen durchzogen aber sie hatte sich doch geändert. Die Erdschicht sandiger, die Natur hügeliger, sanfter und der Straßenverlauf kurviger. Die Eisenbahnschienen waren jetzt unser ständiger Begleiter. Die Schotterpiste war nicht im allerbesten Zustand. Mit seinen 67 Kilometern aber verhältnismäßig kurz. 

Zwischen Fire Lake und Relais Gabriel, Länge 164 Kilometer, wieder geteerte Straße. Das bedeutet zwangsläufig nicht, dass der Zustand besser sein muß als manche Schotterpiste. In diesem Fall empfanden wir diesen Abschnitt als sehr wellig mit vielen Querrinnen versetzt in denen Leopold immer kurz und heftig einschlug obwohl wir nicht schneller als mit 60 Stundenkilometer unterwegs waren. 

Auf diesem Teilstück durchführen wir den ehemaligen Minenort Ancienne ville de Gagnon. Die Stadt ist ausgelöscht. Sie existiert einfach nicht mehr. Das einzige was sichtbar ist ist die geteilte Fahrbahn in dessen Mitte ein Grünstreifen verläuft, der Gehweg und einige Anschlussrohre die aus dem Boden schauen. Für den ein oder anderen, der hier das Licht der Welt erblickt hat, ist sein Geburtsort einfach nicht mehr vorhanden. In Europa nicht vorstellbar. Die Minengesellschaft hatte Mitte der 70er keinen Gewinn mehr erwirtschaften können, die Resorcen waren ausgebeutet und hat, vermutlich ist dies eine Auflage der Regierung, den kompletten Ort zurückgebaut. Dies geschieht ebenso mit den Minen. Die Abraumhalden werden aufgefüllt und renaturiert. 

Kurz vor Relais Gabriel, einer Versorgungsstation mit der Möglichkeit zu tanken, sahen wir das erste Mal den aufgefüllten Krater Maniccouagan. Bis hier hin staut sich das Wasser von Manic 5.

Ab Relais-Gabriel bis zum Wasserkraftwerk Manic 5 die letzten 100 Kilometer Gravelroad. Dieser dritte Abschnitt an ungeteerter Straße war definitiv der beste. Glatt und hart, keine Löcher oder Waschbrett nur wieder Regen. Die Landschaft hügeliger, bergiger. Wir erreichten Manic 5 eines der größten Wasserkraftwerke Kanadas. 1962 wurde mit dem Bau begonnen. In sechs Jahren waren die Arbeiten abgeschlossen obwohl im Winter nichts gemacht werden konnte und die weltgrößte mehrfach bogengestützte Staudamm-Mauer, mit 214 Metern Höhe, war fertig gestellt. 15 Jahre hat es gedauert bis der Stausee sein Niveau erreicht hatte. Heute veranstaltet HydroQuebec mehrere Touren am Tag die sehr aufschlussreich sind aber wieder nur auf französisch gehalten wird. 

Nach vierzehn Tagen Trans Labrador Highway nähern wir uns Baie Cameau, am St. Lawrence River, dem Endpunkt unseres Abenteuers. Gut 200 Kilometer trennten uns von der Zivilisation. Die geteerte Straße war wieder eine Wohltat und die Natur hat bis zum Schluss nichts von ihrer wilden und herben Schönheit eingebüßt. Wir durften noch miterleben wie ein Luchs von der rechten Straßenseite die Fahrbahn überquerte. Dies sind Momente die wir nicht vergessen und auf so einer Tour immer herbeisehnen. Das Wetter kann man nicht ändern und man muss es nehmen wie es kommt. Leider hatten wir nicht so viel Glück. Dabei half es uns auch nichts, dass jedermann über den ausgesprochen schlechten Sommer schimpfte. 

Ein allradgetriebenes Fahrzeug ist nicht notwendig aber es sollte robust sein und über ausreichend Bodenfreiheit verfügen. Schlafplätze hatten wir immer am Wegesrand gefunden. Eine Mitnahme eines Satellitentelefons ist, nach unserer Meinung, nicht notwendig so lang die Fahrbahn nicht verlassen wird und zu guter letzt sollte man Zeit mitbringen denn die Straße kann auch für einige Zeit gesperrt werden wegen Brückensanierung oder einer weggebrochene oder verschütteten Straße. Es wird nur noch eine Frage der Zeit sein bis diese wunderbare Straße komplett mit Asphalt bedeckt sein wird und eines der letzten Abenteuer in diesem Teil Kanadas seinen Reiz verliert. 

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