_____________________________________________________________________  British Columbia: Gletscher,endlose Strände, Moskitos und traumhafte Seen

Zurück auf dem Festland wurden wir in Horse Shoe Bay mit Regen begrüßt. Kein idealer Start um in den hohen Norden zu fahren. Auf der 99 erreichten wir Squamish und beschlossen das schlechte Wetter hier aus zu sitzen. Squamish hat auch so einiges zu bieten. Die Spit Road die am Squamish River aufhört und dessen Ende künstlich aufgeschüttet wurde wäre, bzw. ist ein idealer Windsurf- und Kitespot aber bei 11 Grad Lufttemperatur und leichtem Regen überkam es mich nicht auf das Wasser zu gehen obwohl das Wetter heute für einige hartgesottene Kiter keine Rolle spielte. Wir gingen dann doch lieber in das öffentlich beheizte Hallenbad oder sahen uns den Shannon Wasserfall an. Das Wetter besserte sich ein wenig und wir machten wieder Kilometer auf dem Sea to Sky Highway wie die 99 auf diesem Streckenabschnitt auch genannt wird um zu den Austragungsorten der Olympischen Winterspiele von 2010 zu gelangen. >>

 

Whistler eine hübsch angelegte Retortenstadt wie aus dem Bilderbuch. Hotels, Geschäfte und Restaurants für erholungshungrige Wintersportler. Die Touristenbeauftragten der Stadt haben seit langem, für die Sommermonate, die Mountainbiker als Zielgruppe entdeckt. Der Übergang von der Skisaison zur Downhill Saison ist übergangslos. Ein Teil der Liftanlagen läuft das ganze Jahr über. Auch wir nutzten die Whistler Village Gondola um auf die schneebedeckte 1.850 Meter hoch gelegene Roundhouse Lodge zu gelangen. Hätte wir gestern nicht ein Ticket geschenkt bekommen hätten wir uns diesen Ausflug gespart da die Betreiber der Liftanlage für die Fahrt zur Roundhouse Lodge und das Benutzen der Peak 2 Peak Seilbahn 60,- Can$ aufrufen, wohl gemerkt pro Person. Dafür durften wir mit einer Seilbahn fahren die gleich drei Weltrekorde inne hat. Die längste freitragende Liftanlage mit 3.024 m die nur von 4 Stützen getragen wird und zwei davon bereits an der Station verbaut sind, die höchste Liftanlage und die längste durchgehende Anlage dieser Art. Im Winter hier Ski zu laufen mag sicherlich für den einen oder anderen etwas besonderes sein aber wir glauben Canada hat noch besseres zu bieten.

Die 99 geizt nicht mit ihrer Schönheit auch wenn der Himmel nicht immer blau erstrahlt. Wir folgten meist dem Cayoosh Creek der durch die herabstürzenden Gebirgsbäche mit glasklarem Wasser gespeist wird. Kurz vor Lillooet, am östlichen Ende des Seton Lakes, stellten wir uns auf die von BC Hydro angebotene kostenfreie Recreation Site. Nur am Freitag fährt ein kleiner Zug, der lediglich aus zwei Triebwägen besteht, von Lillooet nach Shalalth und am selben Tag wieder zurück. First Nations bekommen vorrangig ein Ticket zugeteilt bzw. ein Triebwagen wird für die Aborigines frei gehalten. Bettina wollte am Vortag noch eine Reservierung vornehmen funktionierte aber nicht. So fuhren wir mit guter Hoffnung zum Bahnhof der sich allmählich füllte. Der Zug erreichte die Station eine halbe Stunde zu spät. Die Namen wurden aufgerufen von denen die reserviert hatten und zum Schluss blieben zwei Fahrkarten übrig. Da wir die ersten waren die sich an der Haltestelle eingefunden hatten kamen wir in den Genuss der beiden restlichen Tickets.

Das spektakuläre an dieser etwa einstündigen Fahrt ist die Streckenführung. Zwischen steil abfallenden Bergflanken und dem türkis farbenem Seton Lake verläuft auf einem schmalen Streifen das Bahngleis. Die Aussicht spektakulär, vor allem wenn man sich neben den Lokführer setzten darf. Kein Wunder das BBC, laut Aussage einer Mitreisenden, eine Dokumentation darüber verfilmt hat.

Ab Lillooet folgten wir dem Fraser River flussaufwärts der sich oftmals eine tiefe Schlucht in das Gestein gegraben hat. Bei Pavilion löst sich die 99 vom Fraser River und verläuft weiterhin durch eine traumhafte Landschaft. Am Marble Canyon machten wir Schluss. Die Temperatur kletterte inzwischen über die 30 Grad Grenze hinaus. Der Crow Lake und der Turquoise Lake luden zum Baden ein. Um 22 Uhr zeigte das Außenthermometer immer noch 25 Grad an.

Es deutet wieder alles darauf hin, dass es ein weiterer heißer Tag werden sollte. Wir folgten den letzten Kilometern auf der 99 bis zur Kreuzung am Cariboo Highway, bogen rechts ab und waren nun auf der 97 unterwegs. Das Land fruchtbar und gesegnet mit genügend Wasser. Die Sonne brannte inzwischen erbarmungslos vom Himmel. Der Asphalt flimmerte von der Hitze. Ab Cache Creek folgten wir der 1/97, dem Trans Canada Highway, der von Victoria auf Vancouver Island bis nach St. John auf Neufundland verläuft. Auf unserer jetzigen Reise haben wir bereits beide Punkte besucht.

Kurz nach Cache Creek stößt der Hwy auf den Thompson River. Über Kamloops, inzwischen war es schon fast unerträglich heiß geworden und ohne Klimaanlage fast nicht aus zu halten, folgten wir weiter dem Flusslauf des South Thompson Rivers. Am Niskonlith Lake schlossen wir den für uns bis jetzt heißesten Tag in Kanada ab. Zur Mittagszeit zeigte das Thermometer 34 Grad an.

Die Landschaft nach wie vor traumhaft. Die Hügel und Berge gingen allmählich in eine massive Bergkette über dessen Gipfel noch von Schnee eingehüllt waren.

Am darauf folgenden Tag erreichten wir Ravelstoke mit dem kleinen Williamson Lake. Uns war heiß, wir schwitzten, wir waren ausgelaugt, wir wollten nur noch baden gehen. Das ein Coyote unseren Weg kreuzte nahmen wir nur noch am Rande wahr.

Die Fahrt auf dem TCH fand seine Fortsetzung. Wir drangen immer weiter Richtung Rocky Mountains vor und die ersten Gletscher kamen zum Vorschein. Den kurzfristig geschmiedeten Plan eine Bergwanderung im Bereich des Mount Sir Donald zu unternehmen mussten wir begraben. Das Visitor Center vom Glacier NP, die Ausfahrt zum Illecilleweat Campground und die Wanderwege geschlossen.

Wir kamen nach Golden das am Kickinghorse und dem Columbia River liegt. In dem kleinen einst von Schweitzer Pionieren bewohnten Ort, hielten wir uns zwei Tage auf. Die Schweitzer wurden von der Eisenbahngesellschaft angeheuert um eine geeignete Strecke durch die Berge zu finden.

Das dieses Hoch nicht auf ewig uns begleiten wird war uns schon klar aber das das Wetter dann doch so schnell umschlägt war uns dann auch nicht recht vor allem da wir uns mit Freunde aus Deutschland verabredet hatten die sich für 2 Wochen ein Wohnmobil gemietet haben.

Die darauf folgende Woche verbrachten wir gemeinsam mit den beiden. Über den Yoho NP, den Emerald Lake kamen wir zum Lake Louise und waren im Bundesstaat Alberta eingefahren. Die Berge der Rocky Mountains eingehüllt in eine dichte Wolkendecke. Die schäumenden und überlaufenden Flussbetten, die gespeist wurden von den herabstürzenden Gebirgsbächen ließen erahnen was für Schneemassen auf den Berggipfeln gerade schmelzen müssen. Inzwischen ist es unsere dritte Fahrt auf dem Icefield Parkway. An Schönheit hat diese Traumstrecke nichts eingebüßt nur das um diese Jahreszeit schon so viele Mietmobile unterwegs sind hat uns sehr erstaunt. Wir unternahmen die eine oder andere Wanderung, genossen die Gesellschaft unserer Freunde Claudia und Peter und kamen nach 5 Tagen in Jasper an. Kurz vor Jasper, auf der 93A, läuft uns ein brauner Schwarzbär vor die Linse. Ein eher seltener Anblick.

Am darauffolgenden Tag fuhren wir die Maligne Lake Road zum Maligne Canyon hoch und sahen uns die in den Kalkstein tief eingegrabenen Schlucht an die meist nicht breiter als 5 Meter ist. Am Ende der Straße würden wir auf den traumhaft gelegenen Maligne Lake treffen aber inzwischen hat es angefangen wie aus Kübeln zu gießen und so drehten wir am Medicine Lake um. Auf der gesamten Strecke haben sich 3 Schwarzbären sehen lassen. Kurz nach dem höchsten Berg von British Columbia, dem Mount Robson mit seinen 3.954 m, trennten sich unsere Wege denn Claudia und Peter mussten wieder Richtung Vancouver und wir wollten Richtung Prince George.

Auf dem Weg, seit Jasper befinden wir uns auf dem Yellowhead Highway, die nächste wohl eher seltene Bärenbeobachtung. Eine wohlgenährte Bärenmutter mit drei Jungen die gerade im Begriff waren einem Baum hinunter zu klettern. Die drei waren meiner Schätzung nach nicht größer als 40 bzw. 50 cm.

Zwischen den Cariboo Mountains und den Rocky Mountains fahrend erreichten wir den Knotenpunkt der Region, Prince George, dessen Holzwirtschaft ein dominierender Arbeitgeber für die Einwohner dieser Stadt ist.

Es hörte einfach nicht auf zu regnen. Die ganze Nacht schlugen unaufhörlich Regentropfen auf das Wohnmobildach und am Morgen schüttete es kräftig weiter. In den Nachrichten wurde berichtet, dass es in Dawson Creek eine Brücke, durch die heftigen Regenfälle, weggespült hatte.

Wir folgten weiter der 16, dem Yellowhead Hwy der auf dem folgenden Teilabschnitt traurige Berühmtheit erlangt hat. Immer wieder sind Anhalter nicht mehr zu ihren Angehörigen zurück gekehrt. Schilder warnen eindringlich davor, dass es verboten ist als Tramper zu reisen. Familien suchen nach ihren Kindern. Auf Plakaten werden Belohnungen bis zu 100.000,-$ ausgesetzt.

Die Landschaft weiterhin monoton und langweilig. So gesehen ein idealer Tag um Kilometer zu machen. Der unaufhörliche Regen und die tief hängenden Wolken nahmen uns jegliche Fernsicht.

Inzwischen war es unmissverständlich, dass wir uns im Moskitoland befinden. Bei geöffneten Fenster hängen 10, 15 gar 20 Stechviecher am Netz und betteln um Einlass.

Ab Terrace der letzte und wohl schönste Abschnitt bis hinaus nach Prince Rupert zum Pazifik. Wir folgen dem Skeena River der inzwischen zu einem Flussdelta mit seinen zahlreichen Verzweigungen angewachsen ist, lassen uns von den steil abfallenden Felswänden und den schneebedeckten Bergen verzaubern.

In Port Edward das quasi gleich links neben Prince Rupert liegt besuchten wir die 1981 stillgelegte Fischfabrik die 1889 in Betrieb genommen wurden. 92 Jahre fanden hunderte von Menschen, Chinesen, Japaner, First Nations und Europäer, in der auf Holzstelzen errichtete Cannery, ihr Einkommen. In den besten Jahren waren es über 200 Fischfabriken die sich entlang der Pazifikküste von BC nieder gelassen hatten.

Am nächsten Tag besuchten wir Prince Rupert, schlenderten durch einen Teil der Ortschaft und verließen noch am gleichen Tag die Stadt die im Gleichklang mit Fischerei, Tiefseehafen und Fährschifffahrt steht.

Zurück in Terrace trafen wir uns mit Ulla und Karl von denen wir uns vor gut einem Jahr in Nova Scotia getrennt hatten. Inzwischen hatte sie ihr Weg bis nach Guatemala hinunter getragen. Jetzt haben wir für die nächsten Wochen etwa die gleiche Route.

Von Terrace aus folgten wir den Nisga'a Highway. Im Jahre 1750 am Crater Creek, keine 100 Kilometer von Terrace entfernt, oberhalb des Ross Lakes, spuckte ein kleiner Kegel, der sich aus der Erde erhoben hatte, Lava. Die Magma ergoss sich in den Nass River, nahm 2.000 Indianern das Leben und schuf einen See mit roten Sandstränden. Heute gut 250 Jahre später ist die messerscharfe erkaltete Lava von Moosflechten bewachsen. Das Ausmaß der Katastrophe immer noch präsent und gut sichtbar.

Ab dem Nass Camp ging die geteerte Straße in eine Gravelroad über bis wir den 733 Kilometer langen Stewart Cassiar Hihgway erreichten. Wir folgten der einst legendären Straße nach Norden. Legendär da sie, neben dem Alaska Hwy, die einzige Straße ist die in den Norden führt, in jüngster Zeit erst durchgehend geteert wurde und vor Jahren nur aus Schotter bestand.

In Mezidian Junction bogen wir links ab fuhren hinaus zum Portland Canal, bzw. nach Stewart und Hyder das bereits in Alaska liegt um zum Fish Creek zu gelangen. Für die Bärenbeobachtung sind wir etwa einen Monat zu früh dran denn der Lachs schwimmt erst Mitte Juli zu seinen Laichplätzen hoch. Trotz des noch nicht angekommenen Lachses eine lohnende Strecke vor allem wenn man wie wir auf den 1.130 Meter hoch gelegenen Aussichtspunkt fährt der einen spektakuläre Sicht auf den Salmonglacier ermöglicht.

Auf den Weg zurück nach Mezidian kommt man zwangsweise an der Gletscherzunge des Bear Glacier vorbei. Ich sah mit erschrecken wie sich das Eis in den letzten 11 Jahren verringert hat. Der Begriff globale Erderwärmung ist jetzt nicht mehr nur ein abstrakter Begriff er ist greifbar für uns geworden.

Im Mezidian und dem Dease Lake setzten wir unser Ladoga, ein Seekajak, ein paddelten auf den einsamen und tiefgrünen Seen, entfachtem am Abend ein Lagerfeuer und leben das Leben das viele Europäer mit Kanada in Verbindung bringen.

Einen Abstecher nach Telegraph Creek, wenn man auf dem Stewart Cassiar Hwy unterwegs ist, sollte unbedingt eingeplant werden. Bei Dease Lake zweigt links die Telegraph Creek Road ab. Die ersten ungeteerten 80 Kilometer langweilig und monoton. Die grau braune Staubpiste bahnt sich ihren Weg durch eine dicht bewaldete grüne Landschaft. Wir folgen der geographischen Vorgaben der Landschaft bis wir auf die Schlucht des Stikine River treffen der über Jahrmillionen in die verschiedenen Erdschichten sein heutiges Flussbett gegraben hat. In Talthan, 92 Kilometer von der Ortschaft Dease Lake entfernt, fliest der türkisfarbene Talthan River in den grauen Stikine River. Hier siedeln die Crow-or Sesk'iye cho kime (gesprochen Sis kia Cho Kima) und leben seit Generationen vom Fischfang. Telegraph Creek war einst einer von vielen Startpunkten für diejenigen die dem Lockruf des Goldes in die Wildnis Kanadas folgten. Zurück auf dem Stewart Cassiar HWY erreichten wir bei Nugget City und dem Kilometerstein 728 die Kreuzung zum Alaska Hwy. Der Stewart Cassiar Hwy hat von seiner Schönheit nichts verloren nur der Faktor Abenteuer, was einst die Straße in den Norden noch auszeichnete, ist seit dem der Hwy durchgehend geteert ist, auf der Strecke geblieben. Die Verkehrsdichte hielt sich noch in Grenzen war aber zu 2005 schon deutlich mehr geworden dennoch kein Vergleich zu einer deutschen Autobahn.

An der Kreuzung setzten wir den Blinker nach Links fuhren einige Kilometer und waren im Yukon angekommen.

 

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